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Time-Machine-Backups auf Netzwerkfreigaben unter Leopard

(Note to English speaking readers: Also available in English.)

Vielleicht hilft das hier ja Jemandem. Immerhin hat es mich heute den halben Nachmittag gekostet. Worum es geht: Mac OS X hat in seiner neuesten Version Leopard (Mac OS X 10.5.2 während ich dies schreibe) eine automatische Datensicherungslösung eingebaut, genannt Time Machine.

Diese erstellt äußerst praktisch automatische Backups, kümmert sich um alles und bietet sogar ein sehr stylisches Interface, um alte Daten zu finden und wieder herzustellen.

Leider ist Time Machine mit ein paar Einschränkungen verbunden. Bisher funktioniert sie ohne Weiteres lediglich auf externen Festplatten, die man direkt an den Mac anschließt. Ein Produkt für Netzwerk-Backups hat Apple angekündigt, wünschenswert wären aber auch Backups auf bestehende Laufwerke im Heimnetzwerk.

Bei macnews findet sich eine Anleitung, wie man immerhin Time Machine dazu überreden kann, Netzwerkfreigaben als Laufwerk zu akzeptieren. Dazu reicht die Eingabe von (alles in einer Zeile)

defaults write com.apple.systempreferences
                   TMShowUnsupportedNetworkVolumes 1

im Terminal. Das führt aber nur dazu, dass Time Machine zwar eine Netzwerkfreigabe akzeptiert, dann aber (zumindest bei mir) beim Erstellen des ersten Backups scheitert:

Fehler bei Time Machine - Das Image des Backups konnte nicht erstellt werden.

Ziemlich unbefriedigend also. Es müssen weitere Lösungen her. Keinesfalls sollte man den Vorschlag berherzigen, der bei macnews in den Kommentaren geäußert wurde, wo es heißt, dass Time Machine einfach ein selbst erstelltes Disk Image auf dem Netzlaufwerk akzeptiere. Nach stundenlangem Image-Erstellen ließ sich Time Machine nicht überzeugen, dieses zu verwenden.

Stattdessen hilft es, sich den gescheitereten Backup-Versuch mal genauer anzusehen. Dabei fällt auf, dass Time Machine auf der Freigabe versucht, ein Bundle-Image zu erstellen. Warum das scheitert, bleibt ein Geheimnis von Time Machine.

In Apples Supportforen findet man weitere Lösungshinweise. Dort wird vorgeschlagen, dass Bundle-Image während der Erstellung zu kopieren und nach dem Scheitern zurück zu kopieren. Hat bei mir nicht funktioniert.

Es geht aber sowieso viel einfacher. Während des Backupversuchs erstellt Time Machine auf der Freigabe das Bundle-Image. Dieses heißt dann <rechnername>_<zeichenkette>.sparsebundle (Nachtrag: zeichenkette ist die MAC-Adresse des lokalen en0-Devices ohne Doppelpunkte). Diesen Namen sollte man sich merken (z. B. per Copy & Paste oder durch Nachschauen in der Konsole).

Anschließend erstellt man mit dem Festplatten-Dienstprogramm einfach auf dem lokalen Rechner ein “Mitwachsendes Bundle-Image” in der gewünschten Maximalgröße (s. Nachtrag 3) des Time-Machine-Backups (keine Angst, das Image wird erst durch Benutzung groß). Weitere Parameter: Format - Mac OS Extended (Journaled); Partitionen - Keine Partitionstabelle.

Danach benennt man dieses Image (falls nicht schon bei der Erstellung geschehen) genau so wie vorher Time Machine sein Bundle-Image genannt hat. Das Image kopiert man dann noch auf die Freigabe und startet manuell ein Backup über die Menüleiste.

Voilà. Anschließend sollte Time Machine beginnen, das langwierige erste Backup zu erstellen. Weitere Details folgen, sobald ich diese Lösung ausgiebiger getestet habe.

Nachtrag: Nach einigem Herumprobieren bin ich positiv überrascht. Nach dem ersten erfolgreichen Backup versucht Time Machine stündlich neue Backups anzulegen. Und dabei verhält es sich sehr vorbildlich. Ist der Netzwerkrechner, auf dem das Backup-Image liegt, nicht erreichbar (z. B. abgeschaltet) wird das Backup einfach nicht durchgeführt und der Benutzer mit Fehlermeldungen verschont. Trotzdem versucht Time Machine weiterhin stündlich auf diesen zuzugreifen. Ist der Rechner dann wieder online, werden neue Backups erstellt. Dabei wird die benötigte Netzwerkfreigabe und das darauf liegende Image automatisch gemountet.

Will man auf die Time Machine zugreifen, um Dateien wiederherzustellen, so funktioniert auch hier das automatische Mounten des Images. Anfangs war jedoch der Spotlight-Index für das Image kaputt. Warum das passierte, kann ich mir nicht erklären. Einen Artikel zur Reparatur dieses Index habe ich bereit gestellt.

Auf dem Rechner im Netz, der die Freigabe für das Image zur Verfügung stellt, habe ich extra einen Backup-Nutzer angelegt, in dessen Benutzerverzeichnis das Image liegt. Erfreulicherweise kommt Time Machine damit klar, wenn ein Benutzer sich für andere Freigaben mit seinen eigenen Benutzerdaten am Netzwerkrechner anmeldet.

Kommen wir zu den Nachteilen. Sobald ein Backup erstellt wird oder aber Time Machine aufgerufen wird, wird das Image zwar gemountet, danach aber nicht immer wieder vom System getrennt. Folglich haben Benutzer auf dem Mac das Image dann auf dem Desktop liegen. Auch die Verbindung zur eigentlichen Netzwerkfreigabe (auf der ja das Backup-Image als Datei/Ordner liegt) bleibt hergestellt. Diese ist aber nur durch Eingabe von mount im Terminal sichtbar.

Beides ist prizipiell nicht schlimm, solange die Freigabe ständig verfügbar ist. Das ist aber nicht unbedingt der Fall. Will man das Image und die Freigabe sauber vom System trennen, muss man zunächst das Image auswerfen. Das klappt aber nur manchmal ohne Weiteres. Teilweise verlangt das System die Eingabe eines Administratorpassworts, wann genau konnte ich nicht feststellen. Die Netzwerkfreigabe lässt sich nur über umount trennen. Kritisch wird es vermutlich, wenn der Freigaberechner heruntergefahren wird, während eine Verbindung besteht oder gerade gar ein Backup erstellt wird.

Und natürlich ist auch die Geschwindigkeit ein großer Nachteil. Wenn (wie hier) der Mac ein Notebook ist, vorrangig mit altem 802.11g-WLAN unterwegs ist und die Freigabe noch dazu über einen Windowsrechner per SMB verbunden ist, darf man sicher nicht zu viel erwarten.

Nachtrag 2: Ich habe Time Machine noch einmal ordentlich gequält. Dabei verhält es sich weiterhin erstaunlich robust. Es kommt vergleichsweise gut damit klar, wenn während des Backups der Freigabenhost vom Netz getrennt wird. Das Backup versagt dann natürlich, wird aber beim nächsten Mal einfach nachgeholt.

Auch kommt Time Machine bzw. Mac OS damit klar, wenn auf der Freigabe weniger Platz frei ist als im Bundle-Image theoretisch frei wäre. Hier orientiert sich Mac OS an der Freigabe, so dass das Image dann entsprechend eher voll erscheint.

Anschließend habe ich dann noch das Image von der Windowsfreigabe auf die externe Festplatte am anderen MacBook kopiert (das hatte einfach parktische Gründe; der Windowsrechner ist fast nie gleichzitig mit dem MacBook in Betrieb, so dass man ihn extra für Backups anschalten müsste; das andere MacBook ist jedoch wesentlich häufiger eingeschaltet). Time Machine verkraftet diesen Wechsel problemlos.

Allerdings habe ich dabei eine interessante Feststellung gemacht. Ließ ich Time Machine vorher ein komplett neues Backup auf der Freigabe des anderen MacBooks (die per AFP und nicht per SMB eingebunden ist) erstellen, klappte das Imageerstellen hier problemlos. Nun habe ich die Vermutung, dass im SMB-Subsystem von Leopard einfach etwas kaputt ist.

Darauf deutet auch hin, dass es mir nicht gelang, auf einer SMB-Freigabe ein Image von Hand zu erstellen. Ein Versuch per hdiutil liefert nur:

DIHLDiskImageCreate() returned 45
hdiutil: create: returning 45
hdiutil: create failed - Der Vorgang wird nicht unterstützt

Wahrscheinlich der gleiche Fehler, der auch Time Machine aus dem Konzept bringt. Wenn dem so ist, bleibt zu hoffen, dass dieser Fehler in kommenden Versionen von Mac OS X behoben werden könnte.

Nachtrag 3: Was es beim freien Speicher auf der Freigabe und der Maximalgröße des Images zu beachten gilt.

Märchen aus der Technikwelt

Hier mal ein Text in eigener Sache für Freunde, Bekannte und Verwandte, bei denen ich immer wieder ähnliche Computer- und Technikmythen zu hören bekomme. Zeit, damit mal aufzuräumen.

Festplattenbelegung und Rechnergeschwindigkeit

Recht regelmäßig höre ich von Leuten aus meinem Bekanntenkreis Beschwerden über die Geschwindigkeit des eigenen Rechners. Und fast immer in Verbindung mit der Erwähnung, wie voll die Festplatte auf diesem Rechner ist. Wenn ich Glück habe, werde ich gefragt, ob das Aufräumen der Festplatte da überhaupt etwas bringt, meistens werde ich nur gebeten, beim Aufräumen dieser zu helfen.

Und um es direkt zu sagen: Nein, der belegte Platz auf einer Festplatte hat nichts mit der Geschwindigkeit des Computers zu tun. Es bringt also gar nichts, alte Dokumente, Bilder und sonstige Dateien zu löschen, wenn die Kiste zu langsam wird.

Natürlich muss darauf ein langes „Aber…“ folgen. Ist die Festplatte so voll, dass das Betriebssystem keinen zusätzlichen virtuellen Speicher mehr anlegen kann, kann das natürlich schon die Systemleistung behindern. Der Fall tritt aber erst ein, wenn die Systemplatte bis auf wenige 100 MB belegt ist. Dann dürfte aber jedes moderne Betriebssystem schon freudig rummeckern, dass die Festplatte zu voll ist. Ist also für die meisten Problemfälle irrelevant.

Auch die Anzahl der installierten Programme hat prinzipiell keinen Einfluss auf die Rechnerleistung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Programme, die sich nach der Installation bei jedem Start des Betriebssystems starten lassen, belegen Arbeitsspeicher und u.U. CPU-Ressourcen und können das System verlangsamen. Wer also beispielsweise unter Windows den System Tray (der Bereich unten rechts direkt links neben der Uhr) voller Symbole hat, sollte sich mal Gedanken machen, was da alles läuft. Aber auch das muss keine Ursache sein.

Warum ein Computer zu langsam wird, kann viele Gründe haben. Die Festplattenbelegung dürfte aber nur in den seltensten Fällen damit zu tun haben. Vielleicht ist der Computer auch einfach am Ende seiner Leistung. Während der Rechner seit dem Kauf auf dem gleichen Leistungsniveau bleibt, steigen die Anforderungen. Die der neu installierten Programme, die der aufgerufenen Webseiten und nicht zuletzt die eigenen.

Festplattendefragmentierung

Zweites Problemkind: Die Festplattenfragmentierung. Was unter DOS- bzw. FAT-Zeiten (wer nicht weiß, was das ist, ist davon nicht mehr betroffen) ein Problem war, erfreut sich auch heute noch erstaunlicher Beliebtheit bei der Ursachenvermutung von Computerproblemen.

Die Aufgabe eines Festplattendefragmentierers ist es, die auf der Festplatte vorhandenen Daten in einer solchen Reihenfolge anzuordnen, dass sie später möglichst schnell und effizient wieder ausgelesen werden können. Führt man diesen nicht regelmäßig aus, ordnen sich die Dateien so durcheinander auf der Platte an, dass der Lesekopf beim Auslesen zeitaufwändig hin und her springen muss. Sagt zumindest der Mythos.

Das vernünftige Anordnen der Daten klingt zwar erstens trivial, ist aber auf Grund der Tatsache, dass sich nicht sicher vorhersagen lässt, wann welche Daten gelesen werden müssen, alles andere als einfach. Zweitens ist selbst bei sinnvoller Anordnung fragwürdig, ob sich bei der Geschwindigkeit der heutigen Festplatten damit überhaupt ein messbarer Performancevorteil ergibt. Und drittens ist die Frage, ob es heutzutage überhaupt noch vorkommt, dass Daten auf der Festplatte fragmentieren, also eine Anordnung annehmen, die beim Auslesen zu Verzögerungen führt.

Tatsache ist, dass bei modernen Betriebssystemen (z.B. Windows XP, Mac OS, Linux) eine Fragmentierung der Dateien kaum noch auftritt. Weiterhin sind moderne Festplatten so groß und schnell, dass auch eine Fragmentierung der Daten keine erheblichen Geschwindigkeitseinbußen mehr mit sich bringen muss. Und zu guter Letzt arbeiten viele Defragmentierungsprogramme (wie auch das von Windows XP) so schlecht, dass sie das System nach einer Defragmentierung sogar verlangsamen können (s. c’t 21/2005, S 178).

Wer es also für sinnvoll erachtet, seinen Computer regelmäßig ein paar Stunden mit der Festplattendefragmentierung zu beschäftigen (während der man natürlich nicht am Rechner arbeiten sollte), der soll gerne damit glücklich werden. Ich behaupte aber mal, dass eine Defragmentierung für 95% der Anwender schlicht nichts bringt.

Und noch was: Da eine Defragmentierung nur die vorhandenen Daten neu anordnet, kann man dadurch keinen zusätzlichen Festplattenspeicherplatz gewinnen.

Der Memory-Effekt

Was die Defragmentierung bei Festplatten ist, ist der Memory-Effekt bei Akkus. Früher, als es praktisch nur Nickel-Cadmium-Akkus gab und die gesamte Akkutechnologie verglichen mit heute noch in den Kinderschuhen steckte, hatten eben diese NiCd-Akkus die Eigenschaft, dass sie nicht so recht damit klar kamen, wenn man sie wieder auflud bevor sie völlig entleert waren.

Wurde ein Akku z.B. immer nur zu 50% seiner Kapazität teilentladen und dann wieder aufgeladen, „merkte“ sich der Akku irgendwann den Zustand bei 50% und ließ sich ab da auch nur noch bis zu diesem Punkt entladen. Wer also seine Akkus regelmäßig nur teilentleerte und wieder auflud, konnte den Akku irgendwann wegschmeißen, weil er einfach keine Leistung mehr lieferte.

Heutzutage sind NiCd-Akkus weitgehend von Nickel-Metallhydrid- (NiMH) und Lithium-Ionen-Akkus (LiIon) verdrängt worden. Und letztere kennen gar keinen Memory-Effekt. Weiterhin zeigen aktuelle Studien, dass auch bei modernen NiCD-Akkus der Memory-Effekt kein Thema mehr ist.

Man kann also ohne schlechtes Gewissen seine Kameraakkus auch nach kurzer Benutzung wieder aufladen, das Handy auch nach teilweiser Entladung wieder einstöpseln oder das Telefon ohne schlechtes Gewissen in die Ladeschale stellen.

Nur eins sollte man immer bedenken. Akkus sind Verbrauchsmaterialien, die nach einer gewissen Zeit einfach an Ladung verlieren. Das ist völlig normal.

Stoppt den Pixelwahn

Kleiner Programmhinweis für alle, die sich für digitale Fotografie bzw. Digitalkameras interessieren:
6mpixel.org - Beste Bildqualität mit 6 Megapixeln!

Kleine Eigenwerbung

Ich habe meinen Notebook-Arbeitsspeicher erweitert und verkaufe daher meinen alten Speicher (2 x 512 MB) bei eBay. Falls noch jemand mein altes Handy haben will, dann kann er es auch dort finden.

Der Arbeitsspeicher bei eBay.

Das Handy bei eBay.

Display mit Windpocken

Vor kurzem habe ich festgestellt, dass mein MacBook Pro Flecken hat. Auf dem Display. In der Mitte des Bildschirms haben sich kleine Punkte gebildet, an denen das Bild dunkel schattiert ist.

Auf dem Foto sieht man einen der Flecken unten rechts. Leider kommt der Effekt nur schlecht rüber. Den Fleck möge man sich einfach etwas dunkler vorstellen.

Wie man sieht, handelt es sich nicht um klassische Pixelfehler, denn dabei müssten einzelne Pixel dauerhaft leuchtend oder dunkel sein. Die Pixel unter den Flecken leuchten. Das Bild ist dort einfach etwas dunkler. So als liege da irgendwo Dreck in einer Zwischenschicht.

Auf jeden Fall stört das enorm, weswegen ich heute bei einem kleinen Apple-Service-Partner in Bochum war. Dort meinte der Mitarbeiter direkt, das wären Pixelfehler. Jetzt will man das Logic Board austauschen. Wegen der Pixelansteuerung und so.

Ich gebe zu, dass ich von Mac-Hardware und Displayaufbau sowie -ansteuerung keine Ahnung habe, aber irgendwie bin ich sehr skeptisch, dass mein Notebook mit neuem Logic Board von seinen Flecken geheilt sein wird. Abwarten.

Ähhh?

Gerade durfte ich das hier auf meinem Rechner bestaunen:

Ja, die Anzahl der noch zu löschenden Dateien ist negativ. Immerhin wurde die Zahl wie sonst üblich immer kleiner. Das ist aber bei Zahlen kleiner als Null nicht unbedingt von Vorteil.

Did you know?

Karl Fisch arbeitet an der Arapahoe High School in Littleton (USA) als Director of Technology. Für ein Meeting mit den dortigen Lehrern hat er die Präsentation „Did you know?“ erarbeitet. Diese zeichnet eine provokante und erschütternde Vision der Wissensgesellschaft im bereits begonnenen Informationszeitalter. Die Präsentation in einer Bearbeitung von Scott McLeod:

Video bei YouTube direkt.

(via René)

Unverkrüppelte Kaufmusik, at last?

Na endlich kapieren sie es. Nachdem sich bereits Steve Jobs von Apple gegen DRM, also Kopierschutzknebel bei Musik, ausgesprochen hat, will man nun auch beim Konkurrenten Musikload die Musik lieber in offenen Formaten verkaufen, die auf allen Abspielgeräten laufen kann.

Anscheinend hat man endlich eingesehen, dass sowas die Kunden nur gängelt, Abspielprobleme bereitet und Raubkopien auch nicht verhindert (eher im Gegenteil). Jetzt ist nur die Frage, wann endlich die großen Major-Label erkennen, dass sie sich mit DRM keinen Gefallen tun und vernünftige Kaufmusik im Netz ermöglichen.

Panorama macht den Pfeiffer

Gestern abend berichtete Panorama über „Killerspiele“. Natürlich ganz ausgewogen, mit Vertretern beider Seiten und so. Kleiner Scherz. Natürlich nicht. Die Moderatorin eröffnet mit einem Pfeiffer und hat damit schon verloren:

Die meisten Spieler behaupten: Wenn man da jemanden abknallt, zersägt oder vergewaltigt, hätte das ja nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Später im Beitrag sieht man dann eine Szene, die anscheinend aus dem Spiel „Grand Theft Auto: San Andreas“ (GTA) stammt. In dieser Szene sieht man einen Mann und eine Frau beim Geschlechtsverkehr. Beide angezogen. Eine Szene die an sich von jeden RTL-20:15-Uhr-TV-Drama problemlos an Brisanz getoppt wird. Wenn da nicht der Sprecher wäre:

Und was es nicht an der Ladentheke zu kaufen gibt, holen sich selbst Kinder problemlos aus dem Internet. Wie dieses Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.

Nun. Vielleicht bin ich da etwas naiv. Aber ich dachte immer, Journalisten wissen wovon sie reden. Und wenn sie sich nicht auskennen, forschen sie nach, hinterfragen kritisch und suchen Belege für irgendwo aufgeschnappte Behauptungen. Recherche und so.

Tatsächlich ist das nämlich so: GTA ist ein sehr vielseitiges Spiel, in dem man als Gangster durch verschiedenste Aufträge (u.A. Auftragsmorde) weiterkommt. Sexuelle Handlungen sind ohne weiteres nicht enthalten. In Gewaltdarstellung und Möglichkeiten ist GTA duchaus kritisierbar. Aber trotz allem erfordert das Spiel viel mehr als „Töte so viele Menschen wie möglich“ vom Spieler.

Irgendwann ist im Netz wohl ein Patch (also eine Datei bzw. ein Programm zum Modifizieren des Spiels) aufgetaucht, mit dem man versteckte Funktionen freischalten konnte. Und zwar geht es dabei um ein Minispiel im eigentlichen Spiel, bei dem man sich eine Freundin anlachen kann.

Diese muss man dann becircen, beschenken und zu Dates einladen. Nach irgendeinem Date kann man sie dann „zum Kaffee einladen“. Es kommt also zum freiwilligen Geschlechtsverkehr mit dieser Frau. In einer vergleichsweise harmlosen Darstellung.

Auch das muss man nicht gut finden. Aber zwischen freiwilligem Sex und einer Vergewaltigung liegen Welten. Entweder glaubt man bei Panorama alles, was einem irgendjemand erzählt oder aber man versucht bewusst Tatsachen zu verdrehen. Ich weiß nicht, was mir mehr Sorgen machen soll.

So oder so steckt dahinter mal wieder dreckigstes Kalkül.

Ganz davon abgesehen, erwähnt der Sprecher genau das Problem des Killerspielverbots (abgesehen vom Sinn eines solchen), wofür ich nach wie vor keine Lösungsansätze sehe: Wie will man dieses Verbot realistisch handhaben, wenn sich die Kinder alles „problemlos aus dem Internet holen“ können?

Mehr zu dem Thema beim Medienexperten, im Panorama-Forum und (sehr lesenswert) bei Gamezone.

Update: Und auch die Gamestar-Redaktion meldet sich zu Wort.

Update 2: Auch golem.de berichtet über den Beitrag.

Ach ja… Killerspiele.

Ich könnte mich jetzt wieder herrlich aufregen. Aber das würde wohl doch nichts bringen. Bayern hat einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat eingebracht, der sog. „Killerspiele“ verbieten soll.

Für wie absurd ich das Alles halte, sollte bekannt sein. Ich habe noch keine wirklichen Argumente gegen diese Spiele gesehen, die nicht gleichzeitig Spielfilme, Bücher und weite Teile unserer Kultur in Frage stellen. Und die These, dass diese Spiele wirklich die Ursache für Gewalttätigkeit von Jugendlichen sind und nicht nur von sowieso schon gewaltbereiten Typen gerne zur Reizbefriedigung verwendet werden, ist nicht nur bisher unbewiesen, sondern in meinen Augen auch äußerst fragwürdig und naiv. Zumal solche Problemfälle ein Verbot eh kaum interessieren dürfte. Abgesehen davon bleibt festzuhalten, dass man mit Killerspielen alleine keinen Amoklauf oder Ähnliches durchführen kann. Dazu braucht man echte Waffen, an die man erschreckend leicht herankommt.

Aber so sehr wollte ich mich gar nicht darüber auslassen. Eigentlich wundert mich nur das hier, was man bei Heise nachlesen kann:

Nicht-virtuelle “Killerspiele” wie Paintball oder Gotcha, “die geeignet sind, die Mitspieler in ihrer Menschenwürde herabzusetzen, indem ihre Tötung oder Verletzung unter Einsatz von Schusswaffen oder diesen nachgebildeten Gegenständen als Haupt- oder Nebeninhalt simuliert wird”, will der Entwurf zur Ordnungswidrigkeit erklären

Sehr seltsame Auffassung. „Menschenwürde herabsetzen“, soso. Und ich dachte immer, Leute, die sowas machen, sind freiwillig dabei. Wieder was gelernt.

Lieber Herr Beckstein, dann aber bitte auch konsequent sein. Sadomasochistische Neigungen sowie die Killerspiele Boxen und Fechten muss man dann ebenso verbieten. Klingt absurd?

Ach sowas.