Archiv für die Kategorie 'Physik'

Critical error in central area of reason

Gutartige Bakterien wurden am dritten Tag erschaffen, Krankheitserreger nach dem Sündenfall.

Ich würde gerne über so etwas lachen. Laut und heftig. Kann ich aber leider nicht, weil ich sehen muss, dass Menschen, die so argumentieren, immer mehr Anhänger finden und im zur Zeit mächtigsten Land dieser Welt mehr und mehr als Wissenschaftler akzeptiert werden.

Nun fragen Kreationisten oft danach, warum die Wissenschaft der Evolutionstheorie besser sei als ihre Vorstellung. Die Antwort ist einfach: Weil sie scheitert.

Fakt ist, die Evolutionstheorie kann zwar untermauert werden und es können viele stichhaltige Hinweise auf ihre Korrektheit gefunden werden. Ihre endgültige Korrektheit kann jedoch niemand beweisen. Noch schlimmer sieht es in dem Bereich aus, mit dem ich täglich zu tun habe. In der Physik der kleinsten Teilchen existieren nur noch abstrakte Modelle, die versuchen, experimentelle Beobachtungen zu erklären. Das Standardmodell der Teilchenphysik ist fehlerhaft, auch das ist Fakt. Was danach kommt, weiß noch keiner genau.

Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem Konzept, das fehlbar ist und in Frage gestellt werden kann und möchte, das Scheitern und die daraus folgende Weiterentwicklung fördert, und einer Anschauung, die dogmatisch die Infragestellung verbietet, die ihre Lehren auf ein Buch stützt, welches von fehlbaren Menschen geschrieben und mehrfach (falsch) übersetzt wurde, was sollte ich dann wie jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch nach der Zeit der Aufklärung wählen?

Eben.

5 Minuten Licht aus?

Eine Kooperation aus BILD, BUND, Greenpeace, WWF, Google und Pro Sieben ruft für Samstag dafür auf, um 20:00 Uhr für fünf Minuten das Licht aus zu schalten. Für das Klima.

Drollig. Als angehender Physiker spare ich mir mal Kommentare zum Sinn dieser Aktion. Erschreckend finde ich, dass neben BILD und Pro Sieben auch scheinbar seriöse Umweltschutzorganisationen wie BUND, Greenpeace und WWF an der Aktion beteiligt sind.

Und es erschreckt, dass es tatsächlich Menschen gibt, die glauben, eine solche Aktion könne den CO2-Ausstoss irgendwie merklich beeinflussen:

„Ich mache mit, weil es wirklich eine super Idee ist. Eigentlich sollten wir jede Woche solch eine Aktion wiederholen! Mich würde auch interessieren, wie viel Strom dabei eingespart werden könnte – bestimmt jede Menge!“ - (Christiane Gerboth, Moderatorin Pro Sieben)

Hm, mal kurz nachrechnen… So etwa 0,05 Promille des gesamten Stromverbrauchs.[1] Wenn denn Kraftwerke überhaupt innerhalb von 5 Minuten ihre Leistung absenken könnten.

Wie wäre es mit der Aktion „Hirn ein! Energiesparlampen kaufen und den eigenen CO2-Verbrauch dauerhaft senken anstatt auf populistische Aktionen scheinheiliger Massenmedien reinzufallen.“?

 

[1]: Annahme: Die Beleuchtung macht 10% des Stromverbrauchs aus (s. Heise) und fünf Minuten pro Woche verzichtet ganz Deutschland auf sämtliche Beleuchtung. Macht 5 Min / ((60 Min/h) * (24 h/Tag) * (7 Tage/Woche)) * 10% = 0,0000496

 

Lord Calvin über Herrn Rönchen

Die Zeitschrift Technology Review macht derzeit mit einem Banner Werbung, das folgendes Bild enthält:

Ich finde ja, dass man, wenn man schon herausragende Wissenschaftler der Vergangenheit für seine Werbekampagne nutzen will, dann wenigstens in der Lage sein sollte, deren Namen richtig zu schreiben. Erst recht, wenn man sich über sie lustig machen will, weil sie sich irgendwo mal geirrt haben, und man von sich behaupten will, selber über solche Irrtümer erhaben zu sein.

Meinjanur.

Standby verbieten?

Wie man bei Heise nachlesen kann, fordert Renate Künast ein Verbot von Standby-Schaltungen in Elektrogeräten. Dabei folgt natürlich wieder der obligatorische Hinweis auf die zig Kernkraftwerke, die man dabei abschalten könnte. Das ist natürlich auch so eine Sache. Ein Kernkraftwerk schaltet man nicht einfach so ab. Das geht nicht so leicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Weiterlesen von ‘Standby verbieten?’

Spielen mit Statistiken. Heute: Quarks & Co

Gerade habe ich erfahren, dass der WDR Podcasts der Sendung Quarks & Co anbietet. An sich eine schöne Sache. Absurderweise bietet man aber nur 30-minütige Zusammenfassungen an. 30 Minuten von einer Sendung die 45 Minuten dauert. Ein Drittel der Sendung schneidet man also heraus.

Und jetzt wollte ich mich gerade darüber aufregen, warum man mir mit meinem rundfunkgebührenpflichtigen neuartigen Empfangsgerät (a.k.a. Computer mit Internetzugang) die komplette Sendung vorenthält, da sehe ich, dass zumindest die aktuelle Sendung doch komplett zu sein scheint.

Schöne Sache. Hoffentlich behält man das bei.

Eins habe ich aber doch noch. Bei Quarks & Co hält man es mit Statistik bisweilen etwa so wie Churchill etwas ungewöhnlich. Beliebter Trick: Eine Frage stellen, eine andere Frage beantworten.

Man will der Frage nachgehen, ob Autos explodieren können. Dazu befragt man 1000 Leute am Telefon:

Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 4984 Verkehrsunfälle, bei denen Menschen ums Leben kamen.
Bei wie vielen dieser Unfälle explodierte ein Auto?

Bei der Auswertung präsentiert man jedoch eine völlig andere Frage:

Können Autos explodieren? 14% Nein, 78% Ja, 8% keine Angabe

Wundersamerweise geben nur 14% der Befragten an, dass 2005 kein Auto explodiert sei. Tatsächlich können Autos so ohne weiteres nicht explodieren. Dementsprechend wertet man diese 14% als Antwort „Nein“ zur obigen Frage. Ob das so statistisch sauber ist, sei mal dahingestellt.

Immerhin haben aber 78% der Befragten eine Antwort zwischen 1 und 4984 gegeben. Sie glauben also, dass Autos prinzipiell explodieren können? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Dazu wäre es interessant gewesen, die Frage auch vollständig auszuwerten. Also zu zeigen, welche Anteile der Befragten welche Anzahl an explodierten Autos geschätzt haben.

Es würde mich nicht wundern, wenn ein großer Teil dieser 78% nur verhältnismäßig wenig Explosionen geschätzt hat. So könnte ich mir Befragte vorstellen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass Autos nicht explodieren können, aber bei einer solch großen Anzahl an Unfällen nicht ausschließen wollen, dass dort vielleicht auch mal ein Auto ganz eventuell durch äußere Einwirkung (also nicht von sich aus) explodiert sein könnte. Die antworten dann irgendwas zwischen 1 bis 10 explodierten Autos.

Und dementsprechend würde mich auch nicht wundern, wenn bei einer Telefonumfrage „Können Autos ohne Zuhilfenahme von Sprengstoff explodieren?“ wesentlich mehr als 14% mit „Nein“ geantwortet hätte.

Wenn man also die Frage „Können Autos explodieren?“ beantworten will, warum stellt man dann die Frage nicht genau so? Damit das Ergebnis besser zur Sendung passt? Oder gibt es da einen tollen statistischen Grund, den ich nicht verstehe? Für sinnvolle Erklärungen wäre ich dankbar, ich verstehe es nämlich nicht.

Von Fliegen und Tankern

Fast jeder hat irgendeine Meinung zur Kernenergie. Und bevor man mich falsch versteht, ich finde es gut, wenn Menschen eine Meinung haben und diese kundtun.

Aber es äußern sich auch die zum Thema, die nichtmal ansatzweise verstehen, wovon sie reden, und im Endeffekt nur den Lobbyisten (sowohl den Befürworter- aber auch den Gegnerlobbyisten) nachplappern. Oder noch schlimmer. Leute, die totalen Blödsinn erzählen, bei dem man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. So wie in den Kommentaren zu diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Kernkraftwerk Forsmark. Dort schreibt ein gewisser IndianerJoe:

Zum Thema Plutonium: Es gilt als der giftigste Stoff der Welt - schon ein einziges inkorporiertes Molekül würde mit seinen Alfastrahlen beim Einbau in den Körper seine unmittelbare Umgebung derart schädigen, das ein Krebstod sicher ist. Die Halbwertszeit von Plutonium ist in somit als Maß seiner Gefährlichkeit ungeeignet.

[…]

Wahnsinn! Als Physiker stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich daran denke, wie knapp meine kleinen Kinder und ich vor wenigen Tagen dem sicheren Krebstod entgangen sind!

Der Mann behauptet also, dass ein Mensch nach der Aufnahme eines einzigen Plutoniumkerns (mir ist unklar, warum er von Molekül spricht; Radioaktivität ist eine Eigenschaft der Atomkerne; vermutlich meint er einen Plutoniumkern) an Krebs erkrankt und daran stirbt. Das ist so totaler Blödsinn, mir klappt jetzt noch die Kinnlade herunter, wenn ich das lese.

Anhand der vorhergehenden Diskussion muss man davon ausgehen, dass vom Plutoniumisotop 239Pu die Rede ist. 239Pu hat eine Halbwertszeit von 24000 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine Kern also während seiner Zeit im menschlichen Körper überhaupt zerfällt, ist winzig. Und selbst wenn das passiert, dieser eine Zerfall würde neben der natürlichen Radioaktivität überhaupt nicht auffallen.

Tatsächlich braucht es zur Entstehung von Krebs schon einige Mikrogramm Plutonium im Körper. Das hört sich nicht nach viel mehr an. Tatsächlich enspricht der Unterschied zwischen einem Kern und 1 µg dem Unterschied zwischen der Masse einer Stubenfliege (80 mg) und dem von 350 voll beladenen Jahre-Viking-Frachtschiffen. Letztere ist mit 564736 t das größte Schiff der Welt (Quelle).

Und dass Plutonium nicht der giftigste Stoff der Welt sein kann, sieht man, wenn man die LD50-Werte von Plutonium (0,32 mg/kg) mit denen vom vermutlich tatsächlich giftigsten Stoff Botox (Ja, genau das Botox) (LD50 zwischen 30 pg/kg bis 3 ng/kg) vergleicht. Botox ist immerhin noch 100.000 bis 10.000.000 mal so giftig wie Plutonium.

Was mich am meisten schockiert, ist die Tatsache, dass dieser Kommentator nach eigenen Angaben behauptet, Physiker zu sein. Wenn das stimmt, dann muss er das besser wissen.

Und er müsste auch wissen, dass bei einem schlimmen Unfall in Forsmark (ob da tatsächlich Gefahr bestanden hat, sei mal außen vor) ganz bestimmt niemand in Deutschland einen sicheren Krebstot zu befürchten hätte. Womit ich nicht die katastrophalen Auswirkungen eines Super-GAUs gerade für die schwedische Bevölkerung herunterspielen will. Aber übertreiben sollte man ebensowenig.

Kurze Reisenotizen vom Kernkraftwerk

Nuclear power plant

Da war ich gestern. Kernkraftwerk Emsland. Also nicht im Modell, sondern im echten Kraftwerk.

Unsere Betreuerin war wertneutral ausgedrückt sehr von der Kernenergie überzeugt und darauf bedacht, möglichst viele Vorteile des Kraftwerks hervorzuheben. So wurde z.B. beim errichteten Speicherbecken mehrmals darauf hingewiesen, welch tolle Freizeitmöglichkeiten es doch für die Bevölkerung bietet. Gut, aber nichts anderes habe ich erwartet.

Der Film über das eigene Standortzwischenlager hatte grässliche Hintergrundmusik.

Die Cevapcici als Mittagessen waren richtig gut. Wirklich. Selten so leckere Cevapcici und so leckeres Tsatsiki bekommen. Der Milchreis als Nachtisch war kalt und etwas lasch gewürzt.

Im Kraftwerk laufen Horden von Objektsicherungsmitarbeitern rum. Auf’s Gelände kommt man nur nach Personendurchsuchung und Passieren einer Sicherheitsschleuse.

In Aufzügen gibt es keine Stockwerke, sondern nur Höhenangaben.

Um ins Reaktorgebäude zu gelangen, muss man insgesamt durch vier Sicherheitsschleusen und eine Druckschleuse. Um wieder rauszukommen zusätzlich zweimal durch Ganzkörper-Kontaminationsscreenings. Wenn man keine Kontamination nach draußen bringt, ertönt eine lustige Melodie (im Link selbst nachgespielt), die mich irgendwie an alte Arcade-Spiele erinnert und die ich nicht einordnen kann. Falls jemand weiß, wo das her ist, immer raus damit.

Im Reaktorgebäude ist es ekelig warm. Kopfschmerzenluft. Die Schuhe vom Kraftwerk sind etwas unbequem. Die orangen Overalls sehen lustig aus. Hab mir eine Strahlendosis von irgendwas um 1 µSv geholt. Beim Flug in den Urlaub nimmt man schnell das 10- bis 100-fache mit. Eine Zigarette wäre von der rein radioaktiven Strahlenbelastung wohl um ein Vielfaches schädlicher gewesen.

Im Maschinengebäude, wo die Turbinen und der Generator stehen, ist es noch wärmer. Und dröhnend laut.

Die zur Verfügung gestellten Kopfhörer, um bei dem Lärm die Betreuerin zu verstehen, schmerzen schon nach kurzer Tragezeit sehr unangenehm am Ohr.

Das waren soweit alle erwähnenswerten Dinge. Natürlich alles rein subjektive Eindrücke und Meinungen.

Versteht nicht jeder. Ist auch besser so.

Die Zeitschrift iX mt dem frechen Werbespruch bietet ein Schnupperabo an. Zusätzlich zu den drei vergünstigten Ausgaben bekommt man auch noch billige Stereolautsprecher, die die Zeitschrift auf ihren Werbebannern mit folgenden Infos bewirbt:

  • „plus MP3-Lautsprecher gratis.“
  • „Leistung 30 Watt PMPO
  • „USB Stromversorgungskabel“

Soso. Die Lautsprecher werden also über USB mit Strom versorgt und liefern 30 W Leistung. Laut USB-Spezifikation liefert ein USB-Anschluss maximal 2,5 W Leistung.

Woher die restlichen 27,5 W Leistung herkommen, verstehe ich nicht. Vermutlich ist das auch besser so.