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TV-Hinweis: WDR „echt Böhmermann“, 13.4.2007, 23:05 Uhr

Der WDR probiert was Neues. „echt“ heißt das Format. Zwei Sendungen: die Reportagen „echt im Leben“ und das Comedyformat „echt Böhmermann“. Letzteres startet heute um 23:05 Uhr im WDR Fernsehen und wird u.a. von Titanic-Redakteuren produziert.

Interessant — obwohl das selbstverständlich sein sollte — ist vor allem, dass die Sendungen als vollständige Podcasts angeboten werden. Böhmermanns Sendung bereits vor der TV-Ausstrahlung. Die zweite Folge soll gar vorab in Second Life gezeigt werden.

Ich bin gespannt. Zumindest der Teaser ist vielversprechend und die Onlineumfrage zeugt von sympathischer Selbstironie:

Was ich echt überhaupt nicht mehr abkann…

…sind diese unglaublich lächerlichen, blinkenden Lichttunnel, die in TV-Nachrichten immer dann gezeigt werden, sobald das Thema irgendwas mit Online oder Internet zu tun hat. Gibts da keine passenderen Bilder? Oder glaubt tatsächlich noch irgendjemand, das da in diesem Ding namens Internet, blaue Kugeln durch gelbe Tunnel fliegen und dabei hin und wieder einzelne elektronische Bauteile passieren?

Unverkrüppelte Kaufmusik, at last?

Na endlich kapieren sie es. Nachdem sich bereits Steve Jobs von Apple gegen DRM, also Kopierschutzknebel bei Musik, ausgesprochen hat, will man nun auch beim Konkurrenten Musikload die Musik lieber in offenen Formaten verkaufen, die auf allen Abspielgeräten laufen kann.

Anscheinend hat man endlich eingesehen, dass sowas die Kunden nur gängelt, Abspielprobleme bereitet und Raubkopien auch nicht verhindert (eher im Gegenteil). Jetzt ist nur die Frage, wann endlich die großen Major-Label erkennen, dass sie sich mit DRM keinen Gefallen tun und vernünftige Kaufmusik im Netz ermöglichen.

Interessante Wortschöpfungen bei Pro Sieben

Gerade bei „Liebe isst… - Spezial“ gehört:

Choreofeen.

In fünf Jahren…

Gerade hat bei Sat 1 eine von Monrose erzählt, dass die ja in 5 Jahren mal eine Pause machen könnten, um danach mit einem Comeback zurückzukommen.

Pruuust.

Spielen mit Statistiken. Heute: Quarks & Co

Gerade habe ich erfahren, dass der WDR Podcasts der Sendung Quarks & Co anbietet. An sich eine schöne Sache. Absurderweise bietet man aber nur 30-minütige Zusammenfassungen an. 30 Minuten von einer Sendung die 45 Minuten dauert. Ein Drittel der Sendung schneidet man also heraus.

Und jetzt wollte ich mich gerade darüber aufregen, warum man mir mit meinem rundfunkgebührenpflichtigen neuartigen Empfangsgerät (a.k.a. Computer mit Internetzugang) die komplette Sendung vorenthält, da sehe ich, dass zumindest die aktuelle Sendung doch komplett zu sein scheint.

Schöne Sache. Hoffentlich behält man das bei.

Eins habe ich aber doch noch. Bei Quarks & Co hält man es mit Statistik bisweilen etwa so wie Churchill etwas ungewöhnlich. Beliebter Trick: Eine Frage stellen, eine andere Frage beantworten.

Man will der Frage nachgehen, ob Autos explodieren können. Dazu befragt man 1000 Leute am Telefon:

Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 4984 Verkehrsunfälle, bei denen Menschen ums Leben kamen.
Bei wie vielen dieser Unfälle explodierte ein Auto?

Bei der Auswertung präsentiert man jedoch eine völlig andere Frage:

Können Autos explodieren? 14% Nein, 78% Ja, 8% keine Angabe

Wundersamerweise geben nur 14% der Befragten an, dass 2005 kein Auto explodiert sei. Tatsächlich können Autos so ohne weiteres nicht explodieren. Dementsprechend wertet man diese 14% als Antwort „Nein“ zur obigen Frage. Ob das so statistisch sauber ist, sei mal dahingestellt.

Immerhin haben aber 78% der Befragten eine Antwort zwischen 1 und 4984 gegeben. Sie glauben also, dass Autos prinzipiell explodieren können? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Dazu wäre es interessant gewesen, die Frage auch vollständig auszuwerten. Also zu zeigen, welche Anteile der Befragten welche Anzahl an explodierten Autos geschätzt haben.

Es würde mich nicht wundern, wenn ein großer Teil dieser 78% nur verhältnismäßig wenig Explosionen geschätzt hat. So könnte ich mir Befragte vorstellen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass Autos nicht explodieren können, aber bei einer solch großen Anzahl an Unfällen nicht ausschließen wollen, dass dort vielleicht auch mal ein Auto ganz eventuell durch äußere Einwirkung (also nicht von sich aus) explodiert sein könnte. Die antworten dann irgendwas zwischen 1 bis 10 explodierten Autos.

Und dementsprechend würde mich auch nicht wundern, wenn bei einer Telefonumfrage „Können Autos ohne Zuhilfenahme von Sprengstoff explodieren?“ wesentlich mehr als 14% mit „Nein“ geantwortet hätte.

Wenn man also die Frage „Können Autos explodieren?“ beantworten will, warum stellt man dann die Frage nicht genau so? Damit das Ergebnis besser zur Sendung passt? Oder gibt es da einen tollen statistischen Grund, den ich nicht verstehe? Für sinnvolle Erklärungen wäre ich dankbar, ich verstehe es nämlich nicht.

Tut tut tut

Gerade bei RTL Aktuell:

Bezahlen tut […] Google.

Aua.

Ach ja. Nachher haben sie noch was von Handys, Notebooks und „PTAs“ erzählt, während man einen PDA sieht.

Respekt, RTL2!

Es ist gekommen, wie ich befürchtet hatte. Etwas, was ich wohl kaum für möglich gehalten hatte, ist passiert.

Seitdem ich fernsehe, unterscheide ich streng zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern. Die einen sind die Guten. Im Bereich Information und Politik ungeschlagen. Neutral, sachlich, aufdeckend, unbestechlich. Wenn irgendwo ein Journalist sitzt, der Journalist geworden ist, weil er die Welt verbessern will, dann würde ich ihn dort am ehesten vermuten.

Die anderen sind die Bösen. Dort zählt alleine die Quote. Da darf man dann auch gerne mal etwas käuflich sein oder reißerisch und einseitig berichten. Werbekunden zahlen schließlich nicht für journalistische Grundsätze.

Diese Haltung hat sich seit heute geändert.

Wie bereits angekündigt, hat RTL2 hat heute in der Sendung Welt der Wunder einen Beitrag über Computerspiele und Gewalttätigkeit gebracht (Video des Beitrags bei Youtube: Teil 1, Teil 2). Das Ergebnis ist erschreckend. Erschreckend positiv.

Der Beitrag ist sicherlich in seiner Tendenz Pro-Computerspiele. Gar keine Frage. Könnte mir als Ego-Shooter-Spieler also gerade recht sein. Das ist aber gar nicht der Punkt. Jeder Autor, jeder Redakteur und jede Redaktion hat immer eine Meinung. Und die wird immer in Texte oder Beiträge einfließen. Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass es absolut neutralen Journalismus gibt. Guter Journalismus zeichnet sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass er Fakten und Meinungen präsentiert und dem Empfänger die Möglichkeit lässt, seine eigene Meinung zu bilden.

Und ja, auch den RTL2-Beitrag kann man kritisieren. So wird z.B. die für mich wichtige Fragestellung der Faszination der Gewaltdarstellung nicht wirklich thematisiert. Es heißt im Beitrag, es käme darauf im Spiel nicht an. Ein Spieler behauptet, man könne genausogut „Wattebällchen gegen Wattebällchen“ oder mit „Wasserspritzpistolen“ spielen. Könnte man? Warum gibt es dann so viele Spiele mit expliziter Gewaltdarstellung? Mit scharfen Waffen, Blut und Tötunghandlungen? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass diese Elemente durchaus eine Faszination ausüben. Spieler, die ernsthaft behaupten, das spiele keine Rolle, halte ich für verlogen. Womit ich nicht sagen will, dass diese Gewaltdarstellung aggressiver oder gewalttätiger macht.

Aber dies ist eine allgemeinere Frage, die nicht auf Computerspiele alleine zutrifft. Sie gilt genauso für Filme und Literatur. Auch dort übt Gewalt und explizite Gewaltdarstellung eine Faszination aus. Und auch Kinder spielen mit Spielzeug- oder Wasserpistolen, die echten Waffen nachempfunden sind. Die Frage müsste man also vielleicht in einem wesentlich größeren Kontext thematisieren.

Aber während man bei Panorama in der ARD einem zweifelhaften „Internet-Experten“, LKA-Beamten und Law-and-Order-Politikern nachplappert, zeigt Welt der Wunder seriöse Wissenschaftler. Zwei Psychologen, die sich intensiv mit Spielern, Computerspielen und ihrer Wirkung befasst haben. Und einen Medienökonom, der selber Ego-Shooter gespielt und die Verbreitung dieser untersucht hat.

Bei Panorama betreibt man billige und reißerische Effekthascherei durch das Hintereinanderreihen möglichst brutaler Spielszenen. Welt der Wunder zeigt Hintergründe über bisherige Amokläufe in Deutschland und den USA. Panorama bringt Meinungsmache, Diffamierungen und gar dreiste Lügen. Bei Welt der Wunder appelliert man an Eltern, sich kritisch mit dem, was ihre Kinder dort spielen, auseinanderzusetzen.

Die ARD, der öffentlich-rechtliche Fernsehsender, macht einen Beitrag, der nur als indiskutabel schlecht gelten kann. RTL2 bringt einen Beitrag, der meiner Meinung nach wirklich gut ist. Mindestens aber ist er sauber recherchiert und verletzt keine journalistischen Grundsätze. Und auch die nachfolgenden Beiträge über die zunehmende Überwachung in Deutschland waren überraschend gut und kritisch. Respekt!

RTL2. Das ist der Sender, der im Spektrum der Privatsender bei mir ganz unten steht. RTL2 ist Big Brother, ist Unterschichtenfernsehen.

Die ARD, Panorama, RTL2 und Welt der Wunder haben es vorletzte Woche und gestern geschafft, mich ernsthaft zu überraschen. Mal äußerst negativ, mal äußerst positiv. Vielleicht wird es Zeit, ein paar gewohnte Ansichten langsam zu überdenken.

TV-Hinweis: RTL2 „Welt der Wunder“, 4.3.2007 19:00 Uhr

In meiner Beschwerde an den NDR habe ich geschrieben:

Vielmehr ist der Beitrag wertend-reißerisch und zeugt von undifferenzierten, falschen und geradezu verleumderischen Informationen. Selbst auf Privatsendern wie RTL 2 habe ich selten solch erschreckende Beiträge gesehen.

Tja, irony’s a bitch. Ausgerechnet RTL2 zeigt morgen abend um 19:00 Uhr in „Welt der Wunder“ eine Sendung, die sich mit dem Thema Ego-Shooter beschäftigt „Welt der Wunder“, eine Sendung, die ich mit Formaten wie Galileo auf eine Stufe stelle.

Jedoch lässt die Ankündigung bei RTL2 zumindest hoffen:

Wenn Jugendliche ausrasten und plötzlich auch in der realen Welt versuchen wahllos um sich zu schießen, dann stehen die „Killer-Spiele“ im Zentrum der Diskussion. Viele Medienexperten und vor allem Politiker sind der Auffassung, dass stundenlanges Ballern am Computer Jugendliche zu solchen Gewalttaten überhaupt erst befähigt. Aber ist das zwangsläufig so? Immerhin verbringen Hunderttausende ihrer Wochenende mit Counterstrike & Co. ohne jemals auszurasten. Welt der Wunder versucht ohne klischeehafte Emotionen der Wirkung von Computerspielen auf den Menschen mit wissenschaftlichen Methoden beizukommen.

Das heißt natürlich nichts und ist kein Grund, gleich euphorisch zu werden. Aber allemal interessant zu sehen, wie die reißerischen Privatsender so ein Thema angehen. Wenn sie es schaffen, halbwegs ausgewogen und neutral über das Thema zu berichten, dann hat „Welt der Wunder“ bei mir ein Stein im Brett.

Panorama: Lästige Nachfragen

Nachdem ich über rue’s headroom auf diesen Kommentar bei golem.de gestoßen bin, habe ich mich dazu entschlossen, mich beim NDR über die Berichterstattung bei Panorama zu beschweren. Die ganze Beschwerde gibt es auf Grund der Länge nicht im regulären Blogbetrieb, sondern hier. Hier meine konkreten Fragen, auf die ich vom NDR gerne Antworten hätte*:

  1. Inwiefern sehen Sie in diesem Beitrag, der das Thema dermaßen wertend und geradezu hetzerisch aufgreift, die ARD-Leitlinien gewahrt?
  2. Inwiefern kann man bei dem Beitrag von differenzierter, vorurteilsfreier und sachkundiger Hintergrundinformation sprechen, wenn man die von mir aufgezeigten Ungereimtheiten (insb. die Vergewaltigungsszene) betrachtet?
  3. Warum werden Szenen aus „Call Of Duty 2“ gezeigt, in denen auf Leichen geschossen wird? Die interviewten Spieler behaupten, diese Szenen seien nicht von ihnen. Woher stammen die gezeigten Szenen?
  4. Wieso werden diese Szenen in Zusammenhang mit einem grinsenden Spieler gezeigt, der behauptet, nur über eine lustige Aussage seiner Mitspieler gelacht zu haben?
  5. Inwiefern sind die Worte „je blutiger, desto besser“ in der o.g. Aussage in Bezug auf „Call Of Duty 2“ zu verstehen?
  6. Warum wird Bert Weingarten von „Pan Amp“ zum Gefährdungspotential von „Call Of Duty 2“ interviewt? Was qualifiziert ihn, eine solche Einschätzung vorzunehmen?
  7. Sehen Sie in dem Umstand, dass die Firma „Pan Amp“ Filterlösungen für „Ego-Shooter“ anbietet, einen Interessenkonflikt bei Herrn Weingarten bei der Beurteilung dieses Themas?
  8. Wieso wurden stattdessen (oder auch zusätzlich) keine Medienpädagogen, Psychologen oder sonstige Experten interviewt, die auf die Gefährlichkeit dieser Spiele hätten eingehen können?
  9. Wieso wurden die Aussagen des Heise-Mitarbeiters nicht gesendet?
  10. Was macht Bert Weingarten zu diesem Thema qualifizierter als den Heise-Redakteur?
  11. Welche Aussagen liegen Ihnen von dem Heise-Mitarbeiter vor?
  12. Wieso wurde die Aussage „Familienväter, Schüler, Nazis“ gewählt? Liegen konkrete Zahlen vor, welchen Anteil rechtsradikale Spieler in „Call Of Duty 2“ ausmachen?
  13. Warum wurde bei sämtlichen Spielen verschwiegen, dass diese in Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten haben bzw. sogar indiziert wurden?
  14. Wieso wurde bei der gezeigten Sex-Szene behauptet, es ginge in dem Spiel darum „möglichst viele Frauen zu vergewaltigen“?
  15. Werden Sie in kommenden Sendungen richtigstellen, dass in dem Spiel keine Vergewaltigungen möglich sind?
  16. Wieso wurde die entsprechende Szene mit dem Song „Rape Me“ unterlegt?
  17. Können Sie mir ein Spiel nennen, das es dem Spieler ermöglicht, Vergewaltigungen durchzuführen und das in Deutschland nicht verboten ist?
  18. Wurde Uwe Schünemann gefragt, um welches Spiel es sich bei seinen Ausführungen handelt? Falls nein, wieso nicht? Wäre eine solche Nachfrage für einen Journalisten im Sinne eines „kritischen“ und „investigativen Journalismus“ (s. ARD-Leitlinien) nicht unabdingbar?
  19. Wieso wurde nicht auf zentrale Problemstellungen eines solchen Verbots eingegangen? U.a. auf die Frage, wie ein Verbot (unabhängig vom Sinn) die Verbreitung sog. Killerspiele gerade bei Jugendlichen verhindern soll, wo doch alles, wie sie selber feststellen, (wenn auch illegal) im Internet verfügbar ist.
  20. Sehen Sie in einer Berichterstattung wie dieser eine sinnvolle Verwendung der Rundfunkgebühren?
  21. Sind Sie damit einverstanden, dass ich Ihre Stellungnahme auf meiner Webseite http://www.flokru.org/ veröffentliche?

* Ja, ich weiß, dass es unrealistisch ist, nicht mit Textbaustein und Standardantwort abgespeist zu werden.