Märchen aus der Technikwelt

Hier mal ein Text in eigener Sache für Freunde, Bekannte und Verwandte, bei denen ich immer wieder ähnliche Computer- und Technikmythen zu hören bekomme. Zeit, damit mal aufzuräumen.

Festplattenbelegung und Rechnergeschwindigkeit

Recht regelmäßig höre ich von Leuten aus meinem Bekanntenkreis Beschwerden über die Geschwindigkeit des eigenen Rechners. Und fast immer in Verbindung mit der Erwähnung, wie voll die Festplatte auf diesem Rechner ist. Wenn ich Glück habe, werde ich gefragt, ob das Aufräumen der Festplatte da überhaupt etwas bringt, meistens werde ich nur gebeten, beim Aufräumen dieser zu helfen.

Und um es direkt zu sagen: Nein, der belegte Platz auf einer Festplatte hat nichts mit der Geschwindigkeit des Computers zu tun. Es bringt also gar nichts, alte Dokumente, Bilder und sonstige Dateien zu löschen, wenn die Kiste zu langsam wird.

Natürlich muss darauf ein langes „Aber…“ folgen. Ist die Festplatte so voll, dass das Betriebssystem keinen zusätzlichen virtuellen Speicher mehr anlegen kann, kann das natürlich schon die Systemleistung behindern. Der Fall tritt aber erst ein, wenn die Systemplatte bis auf wenige 100 MB belegt ist. Dann dürfte aber jedes moderne Betriebssystem schon freudig rummeckern, dass die Festplatte zu voll ist. Ist also für die meisten Problemfälle irrelevant.

Auch die Anzahl der installierten Programme hat prinzipiell keinen Einfluss auf die Rechnerleistung. Natürlich gibt es Ausnahmen. Programme, die sich nach der Installation bei jedem Start des Betriebssystems starten lassen, belegen Arbeitsspeicher und u.U. CPU-Ressourcen und können das System verlangsamen. Wer also beispielsweise unter Windows den System Tray (der Bereich unten rechts direkt links neben der Uhr) voller Symbole hat, sollte sich mal Gedanken machen, was da alles läuft. Aber auch das muss keine Ursache sein.

Warum ein Computer zu langsam wird, kann viele Gründe haben. Die Festplattenbelegung dürfte aber nur in den seltensten Fällen damit zu tun haben. Vielleicht ist der Computer auch einfach am Ende seiner Leistung. Während der Rechner seit dem Kauf auf dem gleichen Leistungsniveau bleibt, steigen die Anforderungen. Die der neu installierten Programme, die der aufgerufenen Webseiten und nicht zuletzt die eigenen.

Festplattendefragmentierung

Zweites Problemkind: Die Festplattenfragmentierung. Was unter DOS- bzw. FAT-Zeiten (wer nicht weiß, was das ist, ist davon nicht mehr betroffen) ein Problem war, erfreut sich auch heute noch erstaunlicher Beliebtheit bei der Ursachenvermutung von Computerproblemen.

Die Aufgabe eines Festplattendefragmentierers ist es, die auf der Festplatte vorhandenen Daten in einer solchen Reihenfolge anzuordnen, dass sie später möglichst schnell und effizient wieder ausgelesen werden können. Führt man diesen nicht regelmäßig aus, ordnen sich die Dateien so durcheinander auf der Platte an, dass der Lesekopf beim Auslesen zeitaufwändig hin und her springen muss. Sagt zumindest der Mythos.

Das vernünftige Anordnen der Daten klingt zwar erstens trivial, ist aber auf Grund der Tatsache, dass sich nicht sicher vorhersagen lässt, wann welche Daten gelesen werden müssen, alles andere als einfach. Zweitens ist selbst bei sinnvoller Anordnung fragwürdig, ob sich bei der Geschwindigkeit der heutigen Festplatten damit überhaupt ein messbarer Performancevorteil ergibt. Und drittens ist die Frage, ob es heutzutage überhaupt noch vorkommt, dass Daten auf der Festplatte fragmentieren, also eine Anordnung annehmen, die beim Auslesen zu Verzögerungen führt.

Tatsache ist, dass bei modernen Betriebssystemen (z.B. Windows XP, Mac OS, Linux) eine Fragmentierung der Dateien kaum noch auftritt. Weiterhin sind moderne Festplatten so groß und schnell, dass auch eine Fragmentierung der Daten keine erheblichen Geschwindigkeitseinbußen mehr mit sich bringen muss. Und zu guter Letzt arbeiten viele Defragmentierungsprogramme (wie auch das von Windows XP) so schlecht, dass sie das System nach einer Defragmentierung sogar verlangsamen können (s. c’t 21/2005, S 178).

Wer es also für sinnvoll erachtet, seinen Computer regelmäßig ein paar Stunden mit der Festplattendefragmentierung zu beschäftigen (während der man natürlich nicht am Rechner arbeiten sollte), der soll gerne damit glücklich werden. Ich behaupte aber mal, dass eine Defragmentierung für 95% der Anwender schlicht nichts bringt.

Und noch was: Da eine Defragmentierung nur die vorhandenen Daten neu anordnet, kann man dadurch keinen zusätzlichen Festplattenspeicherplatz gewinnen.

Der Memory-Effekt

Was die Defragmentierung bei Festplatten ist, ist der Memory-Effekt bei Akkus. Früher, als es praktisch nur Nickel-Cadmium-Akkus gab und die gesamte Akkutechnologie verglichen mit heute noch in den Kinderschuhen steckte, hatten eben diese NiCd-Akkus die Eigenschaft, dass sie nicht so recht damit klar kamen, wenn man sie wieder auflud bevor sie völlig entleert waren.

Wurde ein Akku z.B. immer nur zu 50% seiner Kapazität teilentladen und dann wieder aufgeladen, „merkte“ sich der Akku irgendwann den Zustand bei 50% und ließ sich ab da auch nur noch bis zu diesem Punkt entladen. Wer also seine Akkus regelmäßig nur teilentleerte und wieder auflud, konnte den Akku irgendwann wegschmeißen, weil er einfach keine Leistung mehr lieferte.

Heutzutage sind NiCd-Akkus weitgehend von Nickel-Metallhydrid- (NiMH) und Lithium-Ionen-Akkus (LiIon) verdrängt worden. Und letztere kennen gar keinen Memory-Effekt. Weiterhin zeigen aktuelle Studien, dass auch bei modernen NiCD-Akkus der Memory-Effekt kein Thema mehr ist.

Man kann also ohne schlechtes Gewissen seine Kameraakkus auch nach kurzer Benutzung wieder aufladen, das Handy auch nach teilweiser Entladung wieder einstöpseln oder das Telefon ohne schlechtes Gewissen in die Ladeschale stellen.

Nur eins sollte man immer bedenken. Akkus sind Verbrauchsmaterialien, die nach einer gewissen Zeit einfach an Ladung verlieren. Das ist völlig normal.

5 Antworten zu “Märchen aus der Technikwelt”


  1. 1 Meik

    Kurz zu den Akkus: ja, die sind Verbrauchsmaterial. Was mich dann stört sind Endgeräte, in denen man die dann nicht auswechseln darf. Zum Beispiel bei der MX1000 Maus von Logitech: sone Maus hält sicher ne Weile, genau wie ihr Akku, aber irgendwann ist dann doch Ende beim Akku. Also Maus wegwerfen, nur weil der Akkublock kaputt ist? Den Akkublock gibt es so nirgends zum kaufen. Ausserdem ist die Maus so verschraubt, dass man da nur mit biegen und brechen drankommt. Pfui. Dasselbe bei Navigationssystemen… warum darf ich die Akkus, wenn die dann platt sind, nicht austauschen oder noch nen 2. mitnehmen, wenn einer nicht bis zum Ende reicht?

  2. 2 flokru

    Erzähl das mal Apple.

  3. 3 Meik

    Sowas macht die Geräte für mich höchst unattraktiv… kaufe ich mir lieber nen memory stick mit MP3 Funktion, da kann ich die AAA Batterie wieder aufladen. Oder noch besser, ich nehme mein geliebtes W810i. Zwar ist da auch nen Flachmann drin, sprich, nen Akku aber den kann man zumindest tauschen.

    Vielleicht wären nen paar neue Standart Batterie-/Akkugrössen mal wieder was (ohne mich auzukennen aber AAA und AA und Komparsen sind scheinbar international genormt, vielleicht könnte man da einfach mal ne Standartgrösse für Kleinelektrogeräte mit einfügen :-) )

  4. 4 flokru

    Ja, aber an einer solchen Standardgröße wären nur die Akkuhersteller und nicht die Gerätehersteller interessiert. Und wenn man sieht, was man für Originalakkus vom Hersteller für diverse Geräte bezahlt, braucht man nicht lange überlegen, warum es sowas nicht gibt.

    Traurig, aber leider wahr.

  5. 5 Meik

    Ökologisch sinnvoll!

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