Wie Heise berichtet, hat die Tagesschau im Rahmen der „Sonntagsfrage“ auch nach der Akzeptanz der Online-Durchsuchung in der Bevölkerung gefragt. Einmal vor den Festnahmen im Sauerland, einmal danach. Und, oh Wunder, die Zustimmung stieg von 50% auf 58%. Was so eine Wechselhaftigkeit über die Befragten aussagt, überlasse ich dem Leser.
Mir geht es um etwas ganz anderes. Ich bezweifle die Repräsentativität der Umfrage an sich. Bei der Sonntagsfrage werden regelmäßig von infratest dimap 1000 Deutsche angerufen und zu aktuellen Themen befragt. An sich sagt man, dass 1000 Menschen ausreichen, um repräsentativ die gesamte Bevölkerung abzubilden.
Ja. Aber. Nun kennt wohl jeder lästige Werbeanrufe. Sogegenannte Cold Calls. Nicht selten geben diese Anrufer vor, nur eine Umfrage durchzuführen, um einem danach doch irgendeinen Kram andrehen zu wollen. Und auch wenn es sich bei dem Anruf tatsächlich nur um eine Umfrage handelt, bleibt die Frage, ob die Leute, die sich da gerade für „infratest dimap“ ausgeben, nicht doch einfache Datensammler sind, die einfach die gewonnenen Konsumenteninformationen zusammen mit der eigenen Adresse (s. Telefonbuch oder Adressdatenbank) weiter verhökern wollen.
Deshalb lege ich grundsätzlich auf, wenn ich Anrufe von Firmen erhalte, mit denen ich sonst nichts zu tun habe. Schade für seriöse Institute wie infratest dimap.
So und jetzt darf jeder dreimal raten, wie groß die Schnittmenge zwischen den datenschutzbewussten und privatsphärebedürftigen Bürger, die die Online-Durchsuchung strikt ablehnen, und den datenschutzbewussten und privatsphärebedürftigen Bürgern ist, die bei Cold Calls grundsätzlich auflegen.
Und ich glaube keiner Telefonumfrage mehr, bei der nicht auch in den Ergebnissen genannt wird, wie viele Bürger sich der Umfrage durch Auflegen verweigert haben. Ich würde nämlich darauf wetten, dass infratest dimap und Co. auflegende Angerufene einfach unter den Tisch fallen lässt und für jeden Aufleger einen neuen Umfrageteilnehmer anruft.
Ach ja, und zum Abschluss mal wieder ein „Innenminister gone wild“:
Der Bild sagte der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo: „Bei der Terror-Bekämpfung darf es keine Tabus geben – das gilt auch für Online-Durchsuchungen. … Der jüngste Fahndungserfolg hat nämlich gezeigt, dass das Problem schnell gelöst werden muss.“
Keine Tabus? Wie wäre es mit Grundgesetz, Artikel 1 bis 146? So als Anfang?
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