EMI verkauft DRM-freie Musik

Man hat sowas ja förmlich kommen sehen. Das große Musiklabel EMI hat gestern zusammen mit Steve Jobs von Apple bekannt gegeben, dass man in Zukunft die eigene Musik online auch ohne Kopierschutz bzw. DRM anbieten werde.

Noch dazu werden diese Songs in besserer Qualität bereitgestellt. Einziger Wermutstropfen ist der Preis. DRM-freie Songs kosten nicht wie üblich 0,99 €, sondern schlagen mit 1,29 € pro Song zu Buche. Komplette Alben sollen aber weiterhin für pauschal 9,99 € erhältlich sein.

Bemerkenswert finde ich jedoch, dass man die Songs sogar ohne digitale Wasserzeichen anbieten will. Letztere erlauben eine Zuordnung der individuellen Datei zum Käufer. Sowas ist für die Plattenfirmen nützlich, wenn es darum geht, Nutzer zu identifizieren, die ihre Songs illegal online anbieten.

Das wäre das erste Mal seit Napster, dass Musikkäufer nicht mehr als potentielle Raubkopierer angesehen und durch möglichst viele Kopierschutzmaßnahmen im Musikgenuss eingeschränkt und gegängelt werden. Endlich könnte man sich wie ein ernstgenommener Kunde fühlen.

Als Musikkäufer könnte ich online Musik kaufen, ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob ich die Musik in 10 Jahren überhaupt noch abspielen kann. Ich könnte die Musik in beliebige Formate konvertieren, auf beliebig viele CDs brennen, auf beliebig viele Player laden. Und vor allem wäre die legale Privatkopie wieder möglich, so dass ich Freunden etwas von meiner Musik abgeben könnte, ohne mich damit strafbar zu machen.

Ich schreibe bewusst im Konjunktiv, da die anderen Labels noch folgen müssen. Ich hoffe, dass sich die Kehrtwende für EMI lohnt, damit die Musikindustrie nach Jahren endlich einsieht, dass Raubkopien niemals zu stoppen sein werden und die einzig erfolgreiche Strategie nur sein kann, ehrlichen Kunden ein möglichst attraktives und flexibles Angebot zu machen.

Vielleicht ist das der Anfang des Endes von DRM & Co. auch für Filme und andere Medien.

4 Antworten zu “EMI verkauft DRM-freie Musik”


  1. 1 Meik

    1,29 € für ein Lied, dass ich danach auf MP3 Stick, Handy und Computer abspielen kann und einfach nur ein MP3 oder WMA ist ist gut. Da kann ich mir den Ohrwurm, den ich noch gesucht hatte, runterladen für ziemlich kleines Geld und immer hören. Ohne irgendwelche Kopierschutzmassnahmen geht das dann wenigstens und ich bin nicht an den IPod gebunden… klingt gut. So ziehen wenigstens nicht mehr die Aussagen, dass man beim Esel runterladen muss.

  2. 2 flokru

    Ja, das ist auch für mich der entscheidende Punkt. Mit Musik in einem Standardformat kann ich mit Standardprogrammen meine Musik in beliebige Formate bringen und hören, wo und wann ich will.

    Außerdem ist DRM darauf ausgelegt, möglichst sicher zu sein. Das muss dann aber auf Kosten der Abspielbarkeit gehen. Im Zweifel nicht abspielbar. Könnte ja raubkopiert sein. Nicht wenige Leute mit WMA-DRM-ready-Playern können Musik von z.B. Musicload nicht abspielen, weil deren Player Mist machen. Musicload weist auf den Playerhersteller, der Playerhersteller auf sein DRM-ready-Logo. Bei iTunes brauche ich mir keine Sorgen machen. Die Musik geht nur mit dem iPod. Da funktioniert es, weil alles aus einer Hand kommt. Aber wie sich da die fehlende Konkurrenz auf die Preise auswirkt, sieht man ja.

    Wenn ich mir jetzt angucke, welche Kopierschutzbestrebungen bei HD-DVDs & Co. gemacht werden, dann kann man das fast für einen dauerhaften Aprilscherz halten. Wenn da jede Datenverbindungen zwischen jedem Gerät verschlüsselt sein muss (und das ist ja noch lange nicht alles, um die Geräte sicher zu machen), damit HD-Content zu sehen & hören ist, dann frage ich mich, bei wie vielen Nutzern das reibungslos funktionieren soll und bei wievielen das auf Grund von Hard- & Softwaremacken nicht klappen wird. Und in eine so unsichere Sache sollen die Kunden nun für HD-ready-Geräte vierstellige Beträge investieren? Spinnen die?

    Ich jedenfalls werde mir keinen HD-Kram kaufen, so lange ich da nicht sicher sein kann, dass das auch mit bestehenden und zukünftigen Geräten funktionieren wird (angenommen, ich hätte das Geld dafür).

    Ich würde lachen, wenn diese ganze HD-Kiste an mangelnder Kundenakzeptanz bzw. an verärgerten Kunden scheitert.

    Die Contentindustrie schaufelt sich in ihren DRM-Träumen weiter ihr eigenes Grab. Naja, vielleicht schafft es ja wenigstens die Musikindustrie, endlich aufzuwachen.

  3. 3 Meik

    Fang´ bloss nicht mit HD an… das Thema ist total Banane: erstmal verschiedene Disc-Formate, die miteinander kämpfen. Dann die HD-Ready-Verarsche. Dann der Umstand, dass die meisten Leute ne riesige DVD Sammlung haben, mit der Qualität eigentlich recht zufrieden sind und nicht schon wieder alles neu kaufen wollen (VHS -> DVD). Ich bin echt mal gespannt, wie das damit weitergeht. Im Moment stagniert der HD-Markt für mein Gefühl irgendwie.

    Ausserdem, warum ne HD DVD für 30 Euro kaufen wenn ich den Film auf DVD für´n 10er kriegen kann (wie letztens in der Videothek an ´nem Beispiel gesehn, war´s Rocky? Rambo? leider vergessen).

  4. 4 flokru

    Ja gut, aber die DVD-Sammlung kann man ja in die HD-Welt mitnehmen, oder? Also einfach am HD-Player abspielbar. Das wäre ja ein tatsächlicher Vorteil, den man bei VHS nicht hatte.

    Und wenn ich hier am Rechner Full-HD-Trailer ansehe (die auflösungsmäßig mein Display sprengen), dann ist die Qualität natürlich schon sehr eindrucksvoll.

    Wenn ich aber einen Film gucke, sitze ich entsprechend weit vom Display entfernt, damit der Film gut wirkt. Und wenn man dann noch HD genießen will, braucht man ein entsprechend großes Display. Und das kostet.

    Bei den ganzen Kopierschutzbastionen wird das mit der Marktreife aber sicher noch dauern (länger als ohne). Lustig nur, dass die meisten DRM-Systeme schon bereits jetzt geknackt sind. DSL-Anschlüsse werden immer schneller. Festplatten immer größer. Nicht mehr lange, dann gibt’s die ersten HD-Filme in Tauschbörsen (vielleicht gibt’s die ja sogar schon) und Knackprogramme zum freien Download aus der Karibik.

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