Erdkunde beim Titten-Heinz*

In der Schule kann man die einzelnen Fächer besonders gut nach der Willkür der Notengebung einteilen. Natürlich kann einem der Lehrer in jedem Fach eine schlechtere Note reinwürgen, aber am geringsten ist diese Willkür wohl in Mathematik. Wenn man Mathe kann, kann man die Aufgaben lösen. Ergebnis und Rechenweg richtig ergibt volle Punktzahl. Schafft man das nicht, kann man seine Punkte zumindest transparent mit denen anderer vergleichen.

Ähnlich ist es in den Naturwissenschaften und den technischen Fächern. Physik, Chemie, Biologie, Informatik. Danach kommen mit einem großen Sprung die Geisteswissenschaften, gefolgt von den Sprachen. Hier kommt es schonmal auf das Gütdünken des Lehrers an, wie die eigene Arbeit bewertet wird. Passt die Analyse nicht in seine Meinung oder ist der Schüler dem Lehrer unsympathisch, finden sich schnell zig Gründe, warum das Geschriebene totaler Schrott ist. Andersrum natürlich genauso. Danach folgt noch Sport und weit abgeschlagen Kunst. Ich kann mir kein Fach vorstellen, in denen Noten noch beliebiger und willkürlicher sein könnten.

In der 11. Stufe stand ich in Erdkunde bei Herrn F. zwischen den Noten Eins und Zwei. Das und die einigermaßen interessanten Themen bei Herrn F. waren der Grund, warum ich auch in der 12 Erdkunde weiter belegte.

In der 12, jetzt bei Herrn S., tummelten sich meine Noten plötzlich im Dreier- bis Viererbereich. Natürlich hatte das nichts mit dem Lehrer zu tun. Und natürlich hatten die schönen Mädchen in der ersten Reihe nicht deshalb so gute Noten, weil sie hübsch und zwar nicht billig, aber doch aufreizend gekleidet waren, sondern allein deshalb, weil sie so gut Erdkunde konnten und sich so aktiv am Unterricht beteiligten.

Absurd wurde es aber dann in einer Klausur. Es ging um irgendein geplantes und gescheitertes Plattenbau-Wohnviertel im Osten (Magdeburg, I guess). Dazu gab es einige Materialen. Keine Ahnung, was die genaue Aufgabe war. Irgendwas war zu analysieren. Ich bekam eine Vier. Die Begründung war, dass ich meine Analysen nicht an den Materialen belegt hatte bzw. belegen konnte. Ich weiß nicht mehr, ob das stimmte, hatte mich aber mit der Note abgefunden.

Bei der Rückgabe der Klausuren war Herr S. total von der Klausur eines Mädchens angetan. Ich weiß nicht mehr, wie sie hieß, aber sie war eine der weniger hübschen, weniger schlanken Mädchen. Vielleicht war sie intelligent. Ich weiß es nicht, denn sie war extrem schüchtern und beteiligte sich eigentlich nie am Unterricht, auch nicht, wenn sie drangenommen wurde.

Herr S. bestand darauf, dass sie ihre Einserklausur vorlas, was sie dann schließlich — spürbar widerwillig — tat. Damit fertig, lobte der Lehrer immer wieder ihre Analysen und Folgerungen. Dass sie sich diese, so richtig sie vielleicht sein mochten, aus den Fingern gesaugt hatte und daher auch nicht an den Materialen belegen konnte, war sogar lobenswert. Ich glaube, er nannte das „weitergehende Gedanken“ oder so.

Weiter geht’s in Teil 2.

* Name und Bezeichnung geändert.

2 Antworten zu “Erdkunde beim Titten-Heinz*”


  1. 1 Meik

    Klar, war so. Aber warum regst Du Dich da gerade heute drüber auf? Gibt´s auf der Uni auch wieder so ´nen Kandidaten?

  2. 2 flokru

    Nö, in der Uni gibt’s sowas nicht. Erstens weil ich da gerade sowieso von niemandem Noten bekomme (erst wieder in den Diplomprüfungen) und zweitens weil es in der Physik zum Glück nicht so viel Spielraum bei der Notenvergabe gibt.

    Die Sache ist mir einfach letztens nur wieder eingefallen. Hatte keinen Anlass.

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