Heute hatte ich im Rahmen einer Anatomie-Nebenfachvorlesung einen Präparierkurs light. Light deshalb, weil wir Studenten nicht selber an den Leichen arbeiten durften, sondern ein Dozent an diesen alles mögliche demonstrierte. Und, weil die Leichen bereits vollständig präpariert waren. Also Haut und Fettgewebe weitgehend entfernt, Brustkorb aufgeschnitten, Muskeln teilweise abgelöst, Organe freigelegt, abgetrennt und teils aufgeschnitten usw.
Vorher muss aber erst der Raum gefunden werden. Und das ist, auf Grund des Umstandes, dass die Veranstaltung an der Ruhr-Uni Bochum stattfindet, gar nicht mal so einfach. Während die Anordnung der Gebäude in Bochum sehr einfach und klar ist, sieht es in den Gebäuden grauenhaft aus. Also irgendwie gibt es da wohl auch ein System, aber das ist nicht so wirklich zu durchschauen. Wer auch immer das verbrochen hat, entspricht dem Klischee eines deutschen Verwaltungsangestellten doch sehr gut.
Nach einigem Herumirren stehen wir vor einer Tür, hinter der der ausgemachte Treffpunkt sein muss. Dummerweise lässt die sich nicht von außen öffnen. Also nochmal zurück und wieder hin. Erst dann bemerke ich, dass es einen Türöffneknopf gibt. Drei Meter vor der Tür, zwei Meter links davon. Auf Kniehöhe.
Naja, auf sowas offensichtliches hätte man auch sofort kommen können.
Etwas später kommt dann der Dozent und führt uns in einen kleinen Präparationssaal. Sofort steigt der süßlich-stechende Formalingeruch in die Nase, was wenige Minuten später zu leichten Kopfschmerzen führt.
In der Mitte sind zwei Tische. Darauf zwei Leichen, komplett verdeckt von formalingetränkten, orangenen Tüchern. Der Dozent erzählt, wie die Leichen dahinkommen und das man sie mit Respekt behandle und so.
Kurz darauf enthüllt er die Leichen. Man sieht hauptsächlich Muskeln, teilweise Knochen. An den Händen und Füßen schrumpelige Haut. Die Farbe der Muskeln ist blass. Liegt wohl am Formaldehyd und am fehlenden Blut. Das Bild erinnert mich an Fernsehbilder aus der Körperwelten-Austellung (war ich nie drin). Nur alles etwas lose und auseinandergenommen.
Ich wundere mich, dass mir dieser Anblick so wenig ausmacht. Nicht, dass ich damit gerechnet hätte, dass mir schlecht wird. Aber dass ich so problemlos damit umgehen kann, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht liegt es an der Situation oder dem unnatürlichen Aussehen der Leichen. Ich weiß es nicht. Dem Burger und den Pommes geht es jedenfalls sehr gut.
Am Bauchnabel zeigt der Dozent, wie dick das subkutane Fettgewebe selbst bei normalgewichtigen Menschen ist. Danach Extremitäten und Muskeln. Am Knie erklärt er die Minisken und Bänder. Zwischendurch wird dem ersten Kommilitonen vom Formaldehyd so schlecht, dass er raus muss.
Es geht weiter mit Lunge und Herz. Jeder kennt bestimmt diese Anti-Raucherkampagne mit einem Bild von Raucher- und Nichtraucherlunge. Pustekuchen. Nichtraucherlunge. Trotzdem tiefschwarz. Normaler eingeatmeter Staub und Dreck, sagt der Dozent.
Dann holt er das Herz raus. Entspricht ganz gut meiner Größenvorstellung, auch wenn der Dozent behauptet, dass man sich das ja viel kleiner vorstelle. Dann stellt er die Frage, wieviele Kammern das Herz habe, und schaut dabei mich an.
Ich, halb perplex, dass er mich fragt, und halb perplex, dass er sowas fragt, antworte zögernd und fragend, weil ich nicht weiß, ob er mich meint oder ob er ernsthaft eine Antwort auf die leichte Frage erwartet:
Äh… Vier?
Darauf er:
Sind sie sich sicher? Na, das war ja nicht so souverän.
Äähh. Ja. Schon klar.
Anschließend macht er mit den Organen im Bauchraum weiter. Bei der Leber hätte ich tatsächlich nicht gedacht, dass die so riesig ist. Die einzelnen Scheiben sehen aus wie geschnittenes Brot. Magen, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse, Milz, Zwölffingerdarm, Dünndarm, Dickdarm, Nieren, Geschlechtsorgane.
Zwischendurch immer wieder Hinweise auf klinische Anwendungen und mögliche Erkrankungen und Verletzungen. Bei der Frau zeigt er an der Aorta ihre Arteriosklerose. Unschön.
Zwischenzeitlich fangen meine Augen an, ziemlich zu brennen.
Dann zeigt er noch einiges am Hals und erklärt, wie man mit einem Kugelschreiber einen Luftröhrenschnitt machen kann, falls man mal jemanden retten muss, der im Mundraum von einem Insekt gestochen wurde und auf dessen Stich allergisch reagiert. Praktisch.
Anschließend holt er Gehirne. Die hätte ich wiederum für größer gehalten. Er erklärt, was wo liegt und welche Aufgaben die einzelnen Bereiche erfüllen. Warum man bei Stößen am Hinterkopf Sterne sieht.
Nachdem dann die Informatiker und Statistiker (für die die Vorlesung eigentlich gedacht ist) keine Lust mehr haben, zeigt er uns Physikern zum Abschluss noch Gehirnschnitte und erzählt was von den Vorgängen im Gehirn beim Lernen.
Danach nach draußen und dort noch zusammen eine kleine Flasche Beck’s getrunken. Zu Hause dann den ekeligen Geruch abgeduscht.
Also diese Hoffnung hab ich nach jahrelangem Suchen leider nicht mehr.
Wie war das jetzt mit den toten Hunden und den Eileiterschwangerschaften? Habt ihr darüber auch etwas gehört oder gesehen?
Das wäre auch meine Frage gewesen.
Ja.
Der tote Hund und die Eileiterschwangerschaft waren die zwei Sachen, bei denen der Dozent immer wieder erwähnt hat, wie akut tödlich die sein können.
Als toten Hund bezeichnen die Mediziner wohl eine Darmverletzung, bei der sich der Darm einschnürt oder abgeklemmt wird, so dass Blutversorgung und/oder Nahrungstransport nicht mehr funktionieren. Was da genau passiert, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls muss das sehr schmerzhaft sein und ohne operativen Eingriff einen qualvollen Tod zur Folge haben.
Wieso man das als toten Hund bezeichnet, weiß ich nicht. Lässt jedenfalls auf nichts Schönes schließen.
Mein vierter ?. wäre als 8-jähriger beinahe daran verstorben. Der HA hat zu lange mit der Einweisung gezögert, dachte es wäre nur die Aufregung vor einem bevorstehenden rel. Fest.
Vielleicht deshalb, weil Hunde das sehr schnell bekommen können. Vader hat bei seinem Hund auch immer nach dem Essen aufgepasst, dass der Hund erst mal ne Runde gepennt hat. Mit vollem Darm verschlingt sich das wohl besonders schnell.