Spielen mit Statistiken. Heute: Quarks & Co

Gerade habe ich erfahren, dass der WDR Podcasts der Sendung Quarks & Co anbietet. An sich eine schöne Sache. Absurderweise bietet man aber nur 30-minütige Zusammenfassungen an. 30 Minuten von einer Sendung die 45 Minuten dauert. Ein Drittel der Sendung schneidet man also heraus.

Und jetzt wollte ich mich gerade darüber aufregen, warum man mir mit meinem rundfunkgebührenpflichtigen neuartigen Empfangsgerät (a.k.a. Computer mit Internetzugang) die komplette Sendung vorenthält, da sehe ich, dass zumindest die aktuelle Sendung doch komplett zu sein scheint.

Schöne Sache. Hoffentlich behält man das bei.

Eins habe ich aber doch noch. Bei Quarks & Co hält man es mit Statistik bisweilen etwa so wie Churchill etwas ungewöhnlich. Beliebter Trick: Eine Frage stellen, eine andere Frage beantworten.

Man will der Frage nachgehen, ob Autos explodieren können. Dazu befragt man 1000 Leute am Telefon:

Im Jahr 2005 gab es in Deutschland 4984 Verkehrsunfälle, bei denen Menschen ums Leben kamen.
Bei wie vielen dieser Unfälle explodierte ein Auto?

Bei der Auswertung präsentiert man jedoch eine völlig andere Frage:

Können Autos explodieren? 14% Nein, 78% Ja, 8% keine Angabe

Wundersamerweise geben nur 14% der Befragten an, dass 2005 kein Auto explodiert sei. Tatsächlich können Autos so ohne weiteres nicht explodieren. Dementsprechend wertet man diese 14% als Antwort „Nein“ zur obigen Frage. Ob das so statistisch sauber ist, sei mal dahingestellt.

Immerhin haben aber 78% der Befragten eine Antwort zwischen 1 und 4984 gegeben. Sie glauben also, dass Autos prinzipiell explodieren können? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Dazu wäre es interessant gewesen, die Frage auch vollständig auszuwerten. Also zu zeigen, welche Anteile der Befragten welche Anzahl an explodierten Autos geschätzt haben.

Es würde mich nicht wundern, wenn ein großer Teil dieser 78% nur verhältnismäßig wenig Explosionen geschätzt hat. So könnte ich mir Befragte vorstellen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass Autos nicht explodieren können, aber bei einer solch großen Anzahl an Unfällen nicht ausschließen wollen, dass dort vielleicht auch mal ein Auto ganz eventuell durch äußere Einwirkung (also nicht von sich aus) explodiert sein könnte. Die antworten dann irgendwas zwischen 1 bis 10 explodierten Autos.

Und dementsprechend würde mich auch nicht wundern, wenn bei einer Telefonumfrage „Können Autos ohne Zuhilfenahme von Sprengstoff explodieren?“ wesentlich mehr als 14% mit „Nein“ geantwortet hätte.

Wenn man also die Frage „Können Autos explodieren?“ beantworten will, warum stellt man dann die Frage nicht genau so? Damit das Ergebnis besser zur Sendung passt? Oder gibt es da einen tollen statistischen Grund, den ich nicht verstehe? Für sinnvolle Erklärungen wäre ich dankbar, ich verstehe es nämlich nicht.

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