Nachwehen einer journalistischen Glanzleistung

Das hier war ursprünglich als Update zu diesem Beitrag gedacht, erscheint jetzt aber der Übersicht halber als eigener Beitrag. Den eigentlichen TV-Beitrag gibt es übrigens hier.

Das Panorama-Forum enthält bisher 115 Kommentare zu dem umstrittenen indiskutabel schlechten TV-Beitrag, von denen sich alle bis auf einen einzigen Beitrag (der stammt von einer besorgten Mutter, verfehlt aber meiner Meinung nach das Thema völlig) empört über die Berichterstattung zeigen. Anscheinend ist man bei Panorama derart überwältigt, dass trotz alledem viele Kommentare gar nicht veröffentlicht wurden (entsprechende Beschwerden findet man in vielen Foren). Auch ich habe einen sachlichen Kommentar geschrieben, der nie dort erschienen ist.

Natürlich ist damit zu rechnen, dass gerade internetbegabte Spieler im Forum eher zu Wort kommen, als Befürworter eines solchen Verbots. Aber dort nur eine einzige Befürworterin eines „Killerspielverbots“ zu lesen, zeigt vielleicht auch, dass Leuten, die ein solches Verbot befürworten, ein Zugang zu neuen Medien (zu denen Computerspiele gehören) fehlt. Inwiefern es sinnvoll ist, dass solche Leute über derartige Dinge entscheiden, dürfte fraglich sein.

Trotz allem sollte diese gewaltige Reaktion auch einem Befürworter eines solchen Verbots zu denken geben.

Um es nochmal klarzustellen. Die meisten Gegner eines „Killerspielverbots“ halten nichts davon, wenn solche Spiele in Kinder- oder Jugendhände kommen. Gegen einen besseren Jugendschutz wehrt sich ernsthaft niemand. Dann muss man aber auch erstmal anerkennen, dass der deutsche Jugendschutz innerhalb der EU als beispielhaft gilt und in keinem westlichen Land so streng ist wie bei uns.

Und ja, man kann, darf und sollte die Gewaltdarstellungen in Computerspielen kritisch hinterfragen und diskutieren. Auch dagegen wehrt sich niemand, solange das auf einer sachlichen und fairen Ebene passiert. Trotz allem muss man feststellen, dass wir in einer Kultur der Gewalt leben. Gewalt umgibt uns in allen Medien, nicht nur in Spielen. Auch im Fernsehen, im Kino, in der Literatur. Der letzte James-Bond-Film wird als einer der besten Bonds gelobt. Gleichzeitig ist er einer der brutalsten. Diskussionen, ob der Film zu brutal ist, muss man suchen.

Wer die Gewaltdarstellungen in Computerspielen in Frage stellt, muss vielmehr die Gewaltdarstellungen in unserer gesamten Kultur in Frage stellen. Finde ich.

Von den öffentlich-rechtlichen Medien erwarte ich bei Berichten über die Computerspieldebatte zurückhaltende und informative Beiträge, die alle Seiten zum Thema gleichermaßen zu Wort kommen lassen und dem Zuschauer die Meinungsbildung überlassen. Keine verleumderische Propaganda. Genauso steht es übrigens in den Leitlinien der ARD.

In den 115 Kommentaren zum TV-Beitrag findet man Klarstellungen und Hinweise, die wirklich jeden Aspekt des Berichts zumindest relativieren oder fraglich erscheinen lassen. An vielen Stellen kann man ihn nur als schlichtweg falsch und geradezu verleumnderisch bezeichnen.

Wenn man Spieler als „Familienväter, Schüler, Nazis“ aufzählt, dann ist das zwar keine Lüge, da natürlich auch diese drei Gruppen unter Spielern anzutreffen sind. Die demagogische Wirkung solcher Worte sollte jedoch klar sein. Und dass die gezeigten bayrischen Ermittler und Interviewpartner sämtlich im Dunkeln sitzen, dürfte wohl kaum ihrem Arbeitsalltag entsprechen, als vielmehr ein filmisches Mittel sein, um hier eine zusätzliche Kriminalität zu suggerierern.

Unsere Justizministerin, die meiner Meinung nach oft genug ziemlichen Blödsinn veranstaltet, aber in diesem Punkt eine vernünftige und gemäßigte Haltung einnimmt, wird von Panorama geradezu der Lächerlichkeit preisgegeben, weil sie die bisherigen, bereits bestehenden Regelungen für ausreichend hält.

Die im Beitrag gezeigten oder angesprochenen Spiele sind sämtlich ohne Altersfreigabe (das heißt, dass sie nur ab 18 Jahren mit Altersnachweis verkauft werden dürfen). Teilweise sind die Titel sogar von der BPjS indiziert (was den Erwerb solcher Spiele auch für Erwachsene nochmal deutlich erschwert).

Absurd wird es sogar, als Uwe Schünemann als Argument für einen härteren § 131 StGB den Ausschnitt aus einem Spiel beschreibt, dass in Deutschland bereits auf Grund des bisher bestehenden § 131 bereits beschlagnahmt wurde (es geht um eine Folterszene im indizierten und verbotenen Spiel Manhunt). Das ist so doof, dass es fast schon wieder lustig ist.

2 Antworten zu “Nachwehen einer journalistischen Glanzleistung”


  1. 1 Drizzt

    BPjS = Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften

    Pst, die heißen jetzt BPjM (da zeigt übrigens auch der Wikipedia-Link drauf) für “Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien”. ;)

    Grüße,
    Drizzt

  2. 2 flokru

    Oh je. Ich werde alt. Ich kenne die noch aus Zeiten, wo Songs von den Ärzten oder Computerspiele wie Doom und Quake indiziert wurden.

    So, und jetzt was völlig Anderes. Was die Abfrage einer Mailadresse zum Veröffentlichen vom Kommentaren hier angeht:

    Normalerweise veröffentliche ich hier nur Kommentare, die eine gültige Mailadresse angeben. Ich werde das hier nochmal durchgehen lassen, behalte mir aber vor, solche Kommentare in Zukunft zu löschen.

    Erstens ist die Angabe einer Mailadresse nur für mich. Die Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Und ich werde mit den 20 Adressen, die ich hier in meinem Blog sammle, bestimmt keinen Adresshandel starten oder selber mit Spam „wertvollen“ Informationen beglücken.

    Einen Teil der Kommentarschreiber hier kenne ich. Da ist die Mailadresse als kleiner Hinweis wichtig, dass nicht jemand herkommt und sich mit gleichem Namen als jemand anderes ausgibt (was solche Aktionen natürlich nicht ausschließt).

    Für den Teil der Kommentarschreiber, die ich nicht kenne, bietet mir das die Möglichkeit, den Autor des Kommentars bei Rückfragen (oder gar Vorwürfen Anderer bezgl. irgendeiner Rechtswidrigkeiten) erreichen zu können. Generell ist es im Netz üblich, dass man fast überall nur nach Registrierung etwas schreiben kann. Da finde ich die Handhabung hier im Blog noch sehr freizügig und liberal.

    Wer sich vor Spam schützen will, sollte sich für solche Zwangsregistrierungen einfach eine Zweitadresse anlegen, damit die Erstadresse sauber bleibt (mache ich auch so).

    Außerdem ist es gerade bei unbekannten Kommentarschreibern so, dass diese im Blog viel über mich erfahren können, während ich nichts über sie weiß. Da ist es für mich einfach eine Frage des Respekts, seine Mailadresse anzugeben, wenn man auf meiner Seite etwas hinterlassen will.

    Also bitte nicht böse nehmen. Ich freue mich über Jeden, der hier etwas beiträgt. So ein Blog lebt von Kommentaren.

    Normalerweise gibt es dazu auch nur zwei Spielregeln: 1. Nichts rechtswidrgies, 2. gültige Mailadresse. Wenn diese Dinge beachtet werden, darf hier wirklich jeder schreiben, was er will. Und wenn mich jemand als Arschloch beschimpfen will, bitte (das ist jetzt nicht mehr nur auf dich bezogen).

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