Gestern abend berichtete Panorama über „Killerspiele“. Natürlich ganz ausgewogen, mit Vertretern beider Seiten und so. Kleiner Scherz. Natürlich nicht. Die Moderatorin eröffnet mit einem Pfeiffer und hat damit schon verloren:
Die meisten Spieler behaupten: Wenn man da jemanden abknallt, zersägt oder vergewaltigt, hätte das ja nichts mit der Wirklichkeit zu tun.
Später im Beitrag sieht man dann eine Szene, die anscheinend aus dem Spiel „Grand Theft Auto: San Andreas“ (GTA) stammt. In dieser Szene sieht man einen Mann und eine Frau beim Geschlechtsverkehr. Beide angezogen. Eine Szene die an sich von jeden RTL-20:15-Uhr-TV-Drama problemlos an Brisanz getoppt wird. Wenn da nicht der Sprecher wäre:
Und was es nicht an der Ladentheke zu kaufen gibt, holen sich selbst Kinder problemlos aus dem Internet. Wie dieses Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.
Nun. Vielleicht bin ich da etwas naiv. Aber ich dachte immer, Journalisten wissen wovon sie reden. Und wenn sie sich nicht auskennen, forschen sie nach, hinterfragen kritisch und suchen Belege für irgendwo aufgeschnappte Behauptungen. Recherche und so.
Tatsächlich ist das nämlich so: GTA ist ein sehr vielseitiges Spiel, in dem man als Gangster durch verschiedenste Aufträge (u.A. Auftragsmorde) weiterkommt. Sexuelle Handlungen sind ohne weiteres nicht enthalten. In Gewaltdarstellung und Möglichkeiten ist GTA duchaus kritisierbar. Aber trotz allem erfordert das Spiel viel mehr als „Töte so viele Menschen wie möglich“ vom Spieler.
Irgendwann ist im Netz wohl ein Patch (also eine Datei bzw. ein Programm zum Modifizieren des Spiels) aufgetaucht, mit dem man versteckte Funktionen freischalten konnte. Und zwar geht es dabei um ein Minispiel im eigentlichen Spiel, bei dem man sich eine Freundin anlachen kann.
Diese muss man dann becircen, beschenken und zu Dates einladen. Nach irgendeinem Date kann man sie dann „zum Kaffee einladen“. Es kommt also zum freiwilligen Geschlechtsverkehr mit dieser Frau. In einer vergleichsweise harmlosen Darstellung.
Auch das muss man nicht gut finden. Aber zwischen freiwilligem Sex und einer Vergewaltigung liegen Welten. Entweder glaubt man bei Panorama alles, was einem irgendjemand erzählt oder aber man versucht bewusst Tatsachen zu verdrehen. Ich weiß nicht, was mir mehr Sorgen machen soll.
So oder so steckt dahinter mal wieder dreckigstes Kalkül.
Ganz davon abgesehen, erwähnt der Sprecher genau das Problem des Killerspielverbots (abgesehen vom Sinn eines solchen), wofür ich nach wie vor keine Lösungsansätze sehe: Wie will man dieses Verbot realistisch handhaben, wenn sich die Kinder alles „problemlos aus dem Internet holen“ können?
Mehr zu dem Thema beim Medienexperten, im Panorama-Forum und (sehr lesenswert) bei Gamezone.
Update: Und auch die Gamestar-Redaktion meldet sich zu Wort.
Update 2: Auch golem.de berichtet über den Beitrag.
Auf heise.de lässt sich im neusten “Was war. Was wird.” (http://www.heise.de/newsticker/meldung/85825) nachlesen, dass man wohl auch jemanden von Heise gefragt hatte, den Beitrag dieses Redakteurs aber wg. “Längenporblemen” nicht senden konnte. Das hört sich dann bei heise.de so an:
Hervorhebung von mir.
Grüße,
Drizzt
(Anmerkung von flokru: Ich war mal so frei, die Pseudotags in deinem Kommentar durch echte HTML-Tags zu ersetzen. Sah sonst etwas übel aus. Hier ist übrigens in den Kommentaren echtes HTML erlaubt. Wer also Links usw. setzen will, bitte.)
Interessant, davon zu erfahren. Das lässt das Ganze nämlich noch mal in ganz anderem Licht erscheinen. Die Haltung von Heise zu „Killerspielen“ kann ich mir nämlich schon ganz gut vorstellen. Gut, das ist dann ein ziemlich heftiger Hinweis, dass man bei Panorama nicht einfach zu schlecht informiert war, sondern tatsächlich manipulieren wollte.
Das könnte noch nützlich werden…
@florku: Ja, nachdem ich das abgesendet hatte, habe ich das auch gemerkt, aber das ist bei den meisten Blogs ein bisschen Glücksspiel, weil keiner dazuschreibt, was den nun erlaubt ist und was nicht, die einen haben BB-Tags aktiviert (mit denen habe ich es versucht) und die anderen HTML. Also eine Bitte an den Blog-Betreiber: entweder dazuschreiben, was erlaubt ist oder eine Vorschaufunktion einführen.
In jedem Fall DANKE!
Grüße,
Drizzt
Nachtrag, gerade vergessen (ja, das Alter, kaum ein Jahr älter geworden, schon geht’s los…): Es ist jetzt ja auch eine Beschwerde beim Presserat eingereicht worden. Es werden Verstöße gegen die folgenden Ziffern des Pressekodex aufgeführt:
Auch der Herr Struve und der Programmdirektor des NDR haben Post bekommen.
Grüße,
Drizzt