Archiv für Februar, 2007

Hamster-Hardporn

Mit ein Grund, warum ich mit solcher Musik auch so gar nichts anfangen kann…

Video bei YouTube direkt ansehen.

(via Sonja)

Panorama: Lästige Nachfragen

Nachdem ich über rue’s headroom auf diesen Kommentar bei golem.de gestoßen bin, habe ich mich dazu entschlossen, mich beim NDR über die Berichterstattung bei Panorama zu beschweren. Die ganze Beschwerde gibt es auf Grund der Länge nicht im regulären Blogbetrieb, sondern hier. Hier meine konkreten Fragen, auf die ich vom NDR gerne Antworten hätte*:

  1. Inwiefern sehen Sie in diesem Beitrag, der das Thema dermaßen wertend und geradezu hetzerisch aufgreift, die ARD-Leitlinien gewahrt?
  2. Inwiefern kann man bei dem Beitrag von differenzierter, vorurteilsfreier und sachkundiger Hintergrundinformation sprechen, wenn man die von mir aufgezeigten Ungereimtheiten (insb. die Vergewaltigungsszene) betrachtet?
  3. Warum werden Szenen aus „Call Of Duty 2“ gezeigt, in denen auf Leichen geschossen wird? Die interviewten Spieler behaupten, diese Szenen seien nicht von ihnen. Woher stammen die gezeigten Szenen?
  4. Wieso werden diese Szenen in Zusammenhang mit einem grinsenden Spieler gezeigt, der behauptet, nur über eine lustige Aussage seiner Mitspieler gelacht zu haben?
  5. Inwiefern sind die Worte „je blutiger, desto besser“ in der o.g. Aussage in Bezug auf „Call Of Duty 2“ zu verstehen?
  6. Warum wird Bert Weingarten von „Pan Amp“ zum Gefährdungspotential von „Call Of Duty 2“ interviewt? Was qualifiziert ihn, eine solche Einschätzung vorzunehmen?
  7. Sehen Sie in dem Umstand, dass die Firma „Pan Amp“ Filterlösungen für „Ego-Shooter“ anbietet, einen Interessenkonflikt bei Herrn Weingarten bei der Beurteilung dieses Themas?
  8. Wieso wurden stattdessen (oder auch zusätzlich) keine Medienpädagogen, Psychologen oder sonstige Experten interviewt, die auf die Gefährlichkeit dieser Spiele hätten eingehen können?
  9. Wieso wurden die Aussagen des Heise-Mitarbeiters nicht gesendet?
  10. Was macht Bert Weingarten zu diesem Thema qualifizierter als den Heise-Redakteur?
  11. Welche Aussagen liegen Ihnen von dem Heise-Mitarbeiter vor?
  12. Wieso wurde die Aussage „Familienväter, Schüler, Nazis“ gewählt? Liegen konkrete Zahlen vor, welchen Anteil rechtsradikale Spieler in „Call Of Duty 2“ ausmachen?
  13. Warum wurde bei sämtlichen Spielen verschwiegen, dass diese in Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten haben bzw. sogar indiziert wurden?
  14. Wieso wurde bei der gezeigten Sex-Szene behauptet, es ginge in dem Spiel darum „möglichst viele Frauen zu vergewaltigen“?
  15. Werden Sie in kommenden Sendungen richtigstellen, dass in dem Spiel keine Vergewaltigungen möglich sind?
  16. Wieso wurde die entsprechende Szene mit dem Song „Rape Me“ unterlegt?
  17. Können Sie mir ein Spiel nennen, das es dem Spieler ermöglicht, Vergewaltigungen durchzuführen und das in Deutschland nicht verboten ist?
  18. Wurde Uwe Schünemann gefragt, um welches Spiel es sich bei seinen Ausführungen handelt? Falls nein, wieso nicht? Wäre eine solche Nachfrage für einen Journalisten im Sinne eines „kritischen“ und „investigativen Journalismus“ (s. ARD-Leitlinien) nicht unabdingbar?
  19. Wieso wurde nicht auf zentrale Problemstellungen eines solchen Verbots eingegangen? U.a. auf die Frage, wie ein Verbot (unabhängig vom Sinn) die Verbreitung sog. Killerspiele gerade bei Jugendlichen verhindern soll, wo doch alles, wie sie selber feststellen, (wenn auch illegal) im Internet verfügbar ist.
  20. Sehen Sie in einer Berichterstattung wie dieser eine sinnvolle Verwendung der Rundfunkgebühren?
  21. Sind Sie damit einverstanden, dass ich Ihre Stellungnahme auf meiner Webseite http://www.flokru.org/ veröffentliche?

* Ja, ich weiß, dass es unrealistisch ist, nicht mit Textbaustein und Standardantwort abgespeist zu werden.

Und noch mehr Nachwehen

Kai Pahl schreibt in der blogbar:

Das “Politmagazin” PANORAMA hat am Donnerstag einen unterirdischen Beitrag zum Thema “Computerspiele” gebracht. Nicht nur die Intention des Beitrages ist fragwürdig gewesen. Es tauchen so viele hanebüchene faktische Fehler auf, dass man sich fragen muss, ob PANORAMA, der NDR und die ARD überhaupt irgendeine Form der redaktionellen Qualitätskontrolle besitzen.

[…]

Der PANORAMA-Beitrag ist eine Katastrophe gewesen.

Die Öffentlich-Rechtlichen Anstalten verstehen nicht, dass für Jugendliche/Unter Vierzigjährigen die handwerklichen Fehler solcher Beiträge offensichtlich sind. Die Häufung solch schlechter Beiträge zu einem Thema läßt für eine große Gruppe von Personen die gesamte Glaubwürdigkeit der Informationssparte der Öffentlich-Rechtlichen gegen die Wand fahren. Es sind solche Beiträge die dazu führen, dass in der Wahrnehmung von vielen, “Journalismus” keine Bezeichnung für ein Qualitätsmerkmal mehr ist und die Grenzen zwischen den altherkömmlichen Massenmedien und den Medienformen des Internets verwischen.

Word!

Ich muss ehrlich zugeben, dass der Beruf des Journalisten bei mir in den letzten Jahren tatsächlich einen geradezu inflationären Imageverlust erlitten hat und weiter erleidet. Ganz vorne dabei sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die ich noch vor wenigen Jahren als Speerspitze des hochwertigen Qualitätsjournalismus angeführt hätte. Haben sich nur meine Ansichten geändert oder die öffentlich-rechtlichen Sender?

Nun denn. Während man bei Frank Plasbergs „hart aber fair“ wenigstens noch zum Eingeständnis eigener Fehler bereit ist, schafft man bei Panorama nur einen kindischen Rechtfertigungsversuch, der nicht einmal auf den gravierendsten Kritikpunkt (die angebliche Vergewaltigungsszene) eingeht.

Ich bin gespannt, wie der NDR oder Panorama weiterhin mit der offensichtlichen und großen Resonanz umgehen werden.

Nachwehen einer journalistischen Glanzleistung

Das hier war ursprünglich als Update zu diesem Beitrag gedacht, erscheint jetzt aber der Übersicht halber als eigener Beitrag. Den eigentlichen TV-Beitrag gibt es übrigens hier.

Das Panorama-Forum enthält bisher 115 Kommentare zu dem umstrittenen indiskutabel schlechten TV-Beitrag, von denen sich alle bis auf einen einzigen Beitrag (der stammt von einer besorgten Mutter, verfehlt aber meiner Meinung nach das Thema völlig) empört über die Berichterstattung zeigen. Anscheinend ist man bei Panorama derart überwältigt, dass trotz alledem viele Kommentare gar nicht veröffentlicht wurden (entsprechende Beschwerden findet man in vielen Foren). Auch ich habe einen sachlichen Kommentar geschrieben, der nie dort erschienen ist.

Natürlich ist damit zu rechnen, dass gerade internetbegabte Spieler im Forum eher zu Wort kommen, als Befürworter eines solchen Verbots. Aber dort nur eine einzige Befürworterin eines „Killerspielverbots“ zu lesen, zeigt vielleicht auch, dass Leuten, die ein solches Verbot befürworten, ein Zugang zu neuen Medien (zu denen Computerspiele gehören) fehlt. Inwiefern es sinnvoll ist, dass solche Leute über derartige Dinge entscheiden, dürfte fraglich sein.

Trotz allem sollte diese gewaltige Reaktion auch einem Befürworter eines solchen Verbots zu denken geben.

Um es nochmal klarzustellen. Die meisten Gegner eines „Killerspielverbots“ halten nichts davon, wenn solche Spiele in Kinder- oder Jugendhände kommen. Gegen einen besseren Jugendschutz wehrt sich ernsthaft niemand. Dann muss man aber auch erstmal anerkennen, dass der deutsche Jugendschutz innerhalb der EU als beispielhaft gilt und in keinem westlichen Land so streng ist wie bei uns.

Und ja, man kann, darf und sollte die Gewaltdarstellungen in Computerspielen kritisch hinterfragen und diskutieren. Auch dagegen wehrt sich niemand, solange das auf einer sachlichen und fairen Ebene passiert. Trotz allem muss man feststellen, dass wir in einer Kultur der Gewalt leben. Gewalt umgibt uns in allen Medien, nicht nur in Spielen. Auch im Fernsehen, im Kino, in der Literatur. Der letzte James-Bond-Film wird als einer der besten Bonds gelobt. Gleichzeitig ist er einer der brutalsten. Diskussionen, ob der Film zu brutal ist, muss man suchen.

Wer die Gewaltdarstellungen in Computerspielen in Frage stellt, muss vielmehr die Gewaltdarstellungen in unserer gesamten Kultur in Frage stellen. Finde ich.

Von den öffentlich-rechtlichen Medien erwarte ich bei Berichten über die Computerspieldebatte zurückhaltende und informative Beiträge, die alle Seiten zum Thema gleichermaßen zu Wort kommen lassen und dem Zuschauer die Meinungsbildung überlassen. Keine verleumderische Propaganda. Genauso steht es übrigens in den Leitlinien der ARD.

In den 115 Kommentaren zum TV-Beitrag findet man Klarstellungen und Hinweise, die wirklich jeden Aspekt des Berichts zumindest relativieren oder fraglich erscheinen lassen. An vielen Stellen kann man ihn nur als schlichtweg falsch und geradezu verleumnderisch bezeichnen.

Wenn man Spieler als „Familienväter, Schüler, Nazis“ aufzählt, dann ist das zwar keine Lüge, da natürlich auch diese drei Gruppen unter Spielern anzutreffen sind. Die demagogische Wirkung solcher Worte sollte jedoch klar sein. Und dass die gezeigten bayrischen Ermittler und Interviewpartner sämtlich im Dunkeln sitzen, dürfte wohl kaum ihrem Arbeitsalltag entsprechen, als vielmehr ein filmisches Mittel sein, um hier eine zusätzliche Kriminalität zu suggerierern.

Unsere Justizministerin, die meiner Meinung nach oft genug ziemlichen Blödsinn veranstaltet, aber in diesem Punkt eine vernünftige und gemäßigte Haltung einnimmt, wird von Panorama geradezu der Lächerlichkeit preisgegeben, weil sie die bisherigen, bereits bestehenden Regelungen für ausreichend hält.

Die im Beitrag gezeigten oder angesprochenen Spiele sind sämtlich ohne Altersfreigabe (das heißt, dass sie nur ab 18 Jahren mit Altersnachweis verkauft werden dürfen). Teilweise sind die Titel sogar von der BPjS indiziert (was den Erwerb solcher Spiele auch für Erwachsene nochmal deutlich erschwert).

Absurd wird es sogar, als Uwe Schünemann als Argument für einen härteren § 131 StGB den Ausschnitt aus einem Spiel beschreibt, dass in Deutschland bereits auf Grund des bisher bestehenden § 131 bereits beschlagnahmt wurde (es geht um eine Folterszene im indizierten und verbotenen Spiel Manhunt). Das ist so doof, dass es fast schon wieder lustig ist.

Der NDR schießt sich selbst in’s Knie

Online-Vote: Sollten die so genannten Killerspiele generell verboten werden? 0,61%: Ja; 99,39% Nein

Ohne weitere Worte.

Panorama macht den Pfeiffer

Gestern abend berichtete Panorama über „Killerspiele“. Natürlich ganz ausgewogen, mit Vertretern beider Seiten und so. Kleiner Scherz. Natürlich nicht. Die Moderatorin eröffnet mit einem Pfeiffer und hat damit schon verloren:

Die meisten Spieler behaupten: Wenn man da jemanden abknallt, zersägt oder vergewaltigt, hätte das ja nichts mit der Wirklichkeit zu tun.

Später im Beitrag sieht man dann eine Szene, die anscheinend aus dem Spiel „Grand Theft Auto: San Andreas“ (GTA) stammt. In dieser Szene sieht man einen Mann und eine Frau beim Geschlechtsverkehr. Beide angezogen. Eine Szene die an sich von jeden RTL-20:15-Uhr-TV-Drama problemlos an Brisanz getoppt wird. Wenn da nicht der Sprecher wäre:

Und was es nicht an der Ladentheke zu kaufen gibt, holen sich selbst Kinder problemlos aus dem Internet. Wie dieses Spiel: Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.

Nun. Vielleicht bin ich da etwas naiv. Aber ich dachte immer, Journalisten wissen wovon sie reden. Und wenn sie sich nicht auskennen, forschen sie nach, hinterfragen kritisch und suchen Belege für irgendwo aufgeschnappte Behauptungen. Recherche und so.

Tatsächlich ist das nämlich so: GTA ist ein sehr vielseitiges Spiel, in dem man als Gangster durch verschiedenste Aufträge (u.A. Auftragsmorde) weiterkommt. Sexuelle Handlungen sind ohne weiteres nicht enthalten. In Gewaltdarstellung und Möglichkeiten ist GTA duchaus kritisierbar. Aber trotz allem erfordert das Spiel viel mehr als „Töte so viele Menschen wie möglich“ vom Spieler.

Irgendwann ist im Netz wohl ein Patch (also eine Datei bzw. ein Programm zum Modifizieren des Spiels) aufgetaucht, mit dem man versteckte Funktionen freischalten konnte. Und zwar geht es dabei um ein Minispiel im eigentlichen Spiel, bei dem man sich eine Freundin anlachen kann.

Diese muss man dann becircen, beschenken und zu Dates einladen. Nach irgendeinem Date kann man sie dann „zum Kaffee einladen“. Es kommt also zum freiwilligen Geschlechtsverkehr mit dieser Frau. In einer vergleichsweise harmlosen Darstellung.

Auch das muss man nicht gut finden. Aber zwischen freiwilligem Sex und einer Vergewaltigung liegen Welten. Entweder glaubt man bei Panorama alles, was einem irgendjemand erzählt oder aber man versucht bewusst Tatsachen zu verdrehen. Ich weiß nicht, was mir mehr Sorgen machen soll.

So oder so steckt dahinter mal wieder dreckigstes Kalkül.

Ganz davon abgesehen, erwähnt der Sprecher genau das Problem des Killerspielverbots (abgesehen vom Sinn eines solchen), wofür ich nach wie vor keine Lösungsansätze sehe: Wie will man dieses Verbot realistisch handhaben, wenn sich die Kinder alles „problemlos aus dem Internet holen“ können?

Mehr zu dem Thema beim Medienexperten, im Panorama-Forum und (sehr lesenswert) bei Gamezone.

Update: Und auch die Gamestar-Redaktion meldet sich zu Wort.

Update 2: Auch golem.de berichtet über den Beitrag.

Von Fliegen und Tankern

Fast jeder hat irgendeine Meinung zur Kernenergie. Und bevor man mich falsch versteht, ich finde es gut, wenn Menschen eine Meinung haben und diese kundtun.

Aber es äußern sich auch die zum Thema, die nichtmal ansatzweise verstehen, wovon sie reden, und im Endeffekt nur den Lobbyisten (sowohl den Befürworter- aber auch den Gegnerlobbyisten) nachplappern. Oder noch schlimmer. Leute, die totalen Blödsinn erzählen, bei dem man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. So wie in den Kommentaren zu diesem Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Kernkraftwerk Forsmark. Dort schreibt ein gewisser IndianerJoe:

Zum Thema Plutonium: Es gilt als der giftigste Stoff der Welt - schon ein einziges inkorporiertes Molekül würde mit seinen Alfastrahlen beim Einbau in den Körper seine unmittelbare Umgebung derart schädigen, das ein Krebstod sicher ist. Die Halbwertszeit von Plutonium ist in somit als Maß seiner Gefährlichkeit ungeeignet.

[…]

Wahnsinn! Als Physiker stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich daran denke, wie knapp meine kleinen Kinder und ich vor wenigen Tagen dem sicheren Krebstod entgangen sind!

Der Mann behauptet also, dass ein Mensch nach der Aufnahme eines einzigen Plutoniumkerns (mir ist unklar, warum er von Molekül spricht; Radioaktivität ist eine Eigenschaft der Atomkerne; vermutlich meint er einen Plutoniumkern) an Krebs erkrankt und daran stirbt. Das ist so totaler Blödsinn, mir klappt jetzt noch die Kinnlade herunter, wenn ich das lese.

Anhand der vorhergehenden Diskussion muss man davon ausgehen, dass vom Plutoniumisotop 239Pu die Rede ist. 239Pu hat eine Halbwertszeit von 24000 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser eine Kern also während seiner Zeit im menschlichen Körper überhaupt zerfällt, ist winzig. Und selbst wenn das passiert, dieser eine Zerfall würde neben der natürlichen Radioaktivität überhaupt nicht auffallen.

Tatsächlich braucht es zur Entstehung von Krebs schon einige Mikrogramm Plutonium im Körper. Das hört sich nicht nach viel mehr an. Tatsächlich enspricht der Unterschied zwischen einem Kern und 1 µg dem Unterschied zwischen der Masse einer Stubenfliege (80 mg) und dem von 350 voll beladenen Jahre-Viking-Frachtschiffen. Letztere ist mit 564736 t das größte Schiff der Welt (Quelle).

Und dass Plutonium nicht der giftigste Stoff der Welt sein kann, sieht man, wenn man die LD50-Werte von Plutonium (0,32 mg/kg) mit denen vom vermutlich tatsächlich giftigsten Stoff Botox (Ja, genau das Botox) (LD50 zwischen 30 pg/kg bis 3 ng/kg) vergleicht. Botox ist immerhin noch 100.000 bis 10.000.000 mal so giftig wie Plutonium.

Was mich am meisten schockiert, ist die Tatsache, dass dieser Kommentator nach eigenen Angaben behauptet, Physiker zu sein. Wenn das stimmt, dann muss er das besser wissen.

Und er müsste auch wissen, dass bei einem schlimmen Unfall in Forsmark (ob da tatsächlich Gefahr bestanden hat, sei mal außen vor) ganz bestimmt niemand in Deutschland einen sicheren Krebstot zu befürchten hätte. Womit ich nicht die katastrophalen Auswirkungen eines Super-GAUs gerade für die schwedische Bevölkerung herunterspielen will. Aber übertreiben sollte man ebensowenig.

Kurzer Programmhinweis

Malte Welding von Spreeblick schreibt über härtere Strafen in dem schönen Artikel „Die Mehrheit der Schweiger“. Word!

Update: Dieser Artikel von brand eins zum Thema ist ebenfalls sehr lesenswert.

Tradition

“Often, the less there is to justify a traditional custom, the harder it is to get rid of it.” - Mark Twain

Gestern war Rosenmontag. Ein Tag, an dem vielerorts mehr oder weniger groß Karneval gefeiert wird. Hier in Bochum (oder Wattenscheid, wie Lokalpatrioten sagen würden) ist der Tag aber auch Anlass zu einer weiteren Tradition: dem Gänsereiten.

Man hängt eine tote Gans kopfüber an ein Seil zwischen zwei Bäume. Den Hals der Gans reibt man mit Schmierseife ein. Anschließend versuchen Männer im Vorbeireiten der Gans den Kopf abzureissen. Wer das schafft, darf sich für das nächste Jahr König nennen (Fotos auf einer Tierschutzseite). Bis 2005 haben das auch Kinder beim Kindergänsereiten gemacht.

Begleitet wird das Ganze alljährlich von einer „Großdemonstration“, bestehend aus einer Hand voll verblendeter Tierschützer, die irgendwelche Rechte der toten Gans verletzt sehen. Um ehrlich zu sein, ich kann mit solchen Leuten nichts anfangen. Ihre Argumente erscheinen mir oft sehr fragwürdig und ihre Vorstellungen weltfremd. Aber damit will ich mich an dieser Stelle nicht befassen.

Man sagt, das Gänsereiten sei eine von den Spaniern überlieferte Tradition. Ich finde es einfach nur abartig. Nicht wegen der „armen Gans“. Sondern wegen der Reiter, die da an totem Tier rumreißen. Zum Spaß. Und zur Belustigung der Zuschauer. Geht’s noch verrohter und abgestumpfter?

Einen Seitenhieb auf die vermutliche Akzeptanz eines „Killerspiel“-Vebots bei solchen Leuten erspare ich mir.

Die Gänsereiter finden das Ganze natürlich nicht abartig. Schützenswerte Tradition nennt man das hier und rechtfertigt damit das alljährliche Spektakel. Das findet sogar die (lokale) katholische Kirche.

Tradition. So ein Bullshit. Mir fällt spontan nichts ein, was irgendwie unter dem Label Tradition abläuft, wo ich sagen kann „Hey, das finde ich richtig gut“. Es gibt sicherlich Dinge, die Tradition sind und die ich befürworte. Aber das sind dann Sachen, für die auch andere Argumente sprechen.

Ich meine, wenn ich auf den Gehweg scheiße und dann mit meinen Fingern im Haufen rumrühre, dann ist das widerlich. Da dürfte mir kaum einer widersprechen. Aber wenn jetzt das halbe Dorf auf den Gehweg scheißt und dann mit den Fingern drin rumrührt, die andere Hälfte jubelnd daneben steht und man das Ganze als Tradition bezeichnet, dann ist das doch mindestens genauso widerlich, oder?

Anscheinend sind die Gänsereiter sehr stolz auf ihre Reitkultur. Ich frage mich, was man davon hielte, wenn man als Gegenveranstaltung einem geschlachteten Pferd Kopf und Beine abhacken ließe. So zum Spaß und zur Belustigung.

Das ist was völlig anderes? Ach ja? Und warum bitte?

Kurze Reisenotizen vom Kernkraftwerk

Nuclear power plant

Da war ich gestern. Kernkraftwerk Emsland. Also nicht im Modell, sondern im echten Kraftwerk.

Unsere Betreuerin war wertneutral ausgedrückt sehr von der Kernenergie überzeugt und darauf bedacht, möglichst viele Vorteile des Kraftwerks hervorzuheben. So wurde z.B. beim errichteten Speicherbecken mehrmals darauf hingewiesen, welch tolle Freizeitmöglichkeiten es doch für die Bevölkerung bietet. Gut, aber nichts anderes habe ich erwartet.

Der Film über das eigene Standortzwischenlager hatte grässliche Hintergrundmusik.

Die Cevapcici als Mittagessen waren richtig gut. Wirklich. Selten so leckere Cevapcici und so leckeres Tsatsiki bekommen. Der Milchreis als Nachtisch war kalt und etwas lasch gewürzt.

Im Kraftwerk laufen Horden von Objektsicherungsmitarbeitern rum. Auf’s Gelände kommt man nur nach Personendurchsuchung und Passieren einer Sicherheitsschleuse.

In Aufzügen gibt es keine Stockwerke, sondern nur Höhenangaben.

Um ins Reaktorgebäude zu gelangen, muss man insgesamt durch vier Sicherheitsschleusen und eine Druckschleuse. Um wieder rauszukommen zusätzlich zweimal durch Ganzkörper-Kontaminationsscreenings. Wenn man keine Kontamination nach draußen bringt, ertönt eine lustige Melodie (im Link selbst nachgespielt), die mich irgendwie an alte Arcade-Spiele erinnert und die ich nicht einordnen kann. Falls jemand weiß, wo das her ist, immer raus damit.

Im Reaktorgebäude ist es ekelig warm. Kopfschmerzenluft. Die Schuhe vom Kraftwerk sind etwas unbequem. Die orangen Overalls sehen lustig aus. Hab mir eine Strahlendosis von irgendwas um 1 µSv geholt. Beim Flug in den Urlaub nimmt man schnell das 10- bis 100-fache mit. Eine Zigarette wäre von der rein radioaktiven Strahlenbelastung wohl um ein Vielfaches schädlicher gewesen.

Im Maschinengebäude, wo die Turbinen und der Generator stehen, ist es noch wärmer. Und dröhnend laut.

Die zur Verfügung gestellten Kopfhörer, um bei dem Lärm die Betreuerin zu verstehen, schmerzen schon nach kurzer Tragezeit sehr unangenehm am Ohr.

Das waren soweit alle erwähnenswerten Dinge. Natürlich alles rein subjektive Eindrücke und Meinungen.