Eigentlich wollte ich schon eher darüber schreiben. Aber dann hab ich es gelassen und mir gedacht: Sei nicht so kleinlich. Kann man sich zwar drüber aufregen, aber muss ja jeder selber wissen, was er tut.
Aber jetzt frag ich mich echt, was als nächstes kommt.*
Es fing damit an, dass StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani in “Völkischer Beobachter“-Aufmachung im Netz zu einer Party einlud. Gut, das ist daneben. Und peinlich. Aber muss er ja selber wissen.
Dann tauchten Youtube-Videos von ihm auf, wo er u.A. eine Frau ein Chick (das offensichtlich unter Alkohol- und/oder Drogeneinfluss stand) auf der Toilette filmt. Oder ein Video, in dem er Frauen in der U-Bahn belästigt. Bleibt anzuzweifeln, ob er deren Erlaubnis zur Veröffentlichung hat. Das ist wirklich daneben. Und echt peinlich. Findet auch Johnny.
Macht ja nix. Nur weil der Typ anscheinend gestört seltsam bemitleidenswert ist, muss ja nicht unbedingt das Produkt an sich schlecht sein.
Dann tauchen immer wieder neue Sicherheitslücken auf, mit denen Nutzer an beliebige Daten anderer Nutzer kommen können, auch wenn diese als privat eingestellt sind und nur privilegierte Nutzer darauf Zugriff haben sollten (Heise berichtet). Nicht so schön, für all jene, die vom Schutz ihrer Daten ausgehen.
Die simpel auszunutzende Sicherheitslücke wird trotz oder gerade wegen ihres verheerenden Effekts mal schnell als Feature verkauft und das Vorhandensein eines Sicherheitsproblems geleugnet.
Spätestens hier wäre der Punkt, an dem mir meine Daten wichtiger wären und an dem ich meinen Account gekündigt hätte. Wenn ich denn einen hätte.
Ja und dann passiert diese Geschichte. Eine Gruppe von ca. 700 notgeilen perversen Männern versammelt sich, um unter Ausnutzung obiger Sicherheitslücke private Fotos weiblicher Mitglieder für alle Gruppenmitglieder (mit sexistischen Kommentaren versehen) zu veröffentlichen. Und dann verabredet man sich auch noch zur organisierten virtuellen sexuellen Massenbelästigung dieser Frauen.
Was kann StudiVZ dafür? Bis auf die Sicherheitslücke eigentlich nichts.
Wenn da nicht diese eine Mail eines StudiVZ-Mitarbeiters wäre. Irgendjemand außerhalb der Gruppe hat sich wohl über die öffentliche Gruppenbeschreibung beschwert. Und das ruft einen StudiVZ-Mitarbeiter auf den Plan.
Man könnte jetzt denken, der veranlasst die Löschung der Gruppe und stellt Inhalte für evtl. Strafverfolgungen sicher.
Pustekuchen. Stattdessen schreibt er:
[…] Zuerst, okay ich bin ein Mann - also erster Eindruck… Ne ernsthaft, die Inhalte deiner Gruppe sind absolut okay - es geht ja nur um einen Fotocontest und nicht um irgendwelche Beleidigungen, allerdings wirkt die Beschreibung der Gruppe (was ja nun mal das Einzige ist, was jemand sieht, der nicht in der Gruppe ist) doch sehr danach aus.
[…] Kannst du die Beschreibung […] abändern und diese - naja, sagen wir “pornographischen Elemente” - entfernen? Dann gibts wohl auch keine Probleme mehr.
[…] P.S.: Einer der [StudiVZ-]Gründer […] hätte gerne ne Einladung für die Gruppe… - ich würd mich dann da auch anschließen;-)
(siehe hier; alles in eckigen Klammern ist von mir)
Also da bleibt mir die Kinnlade stecken. Ein StudiVZ-Mitarbeiter und ein StudiVZ-Gründer wissen, was in dieser Gruppe geschieht. Aber anstatt etwas dagegen zu unternehmen, will man mitmachen. Die Behandlung der Beschwerde beschränkt man darauf, dass die Gruppenbeschreibung geändert wird. Anscheinend will man beim Stalking ungestört sein.
StudiVZ-Sprecher Bonow dazu:
Auf jedem Uni-Campus ist es normal, dass sich Studentinnen über Studenten und Studenten über Studentinnen unterhalten. So auch bei StudiVZ.
Is klar.
(gefunden beim Johnny; Skandal beim Don; vieles über StudiVZ hier)
* Update [27.11.2006]: Um auch diese Frage zu beantworten: Sowas und vielleicht sogar sowas (keine Ahnung, ob das stimmt). Das gibts echt nicht mehr. Der Laden hat massivste Sicherheitsprobleme und ein unmögliches Management. Von mir aus lass ich mich paranoid nennen, was Datenschutz angeht. Aber Entschuldigung, bei sowas wird mir übel.
Ähnlich sieht das auch Jörg-Olaf Schäfers:
Ich glaube, dass die Probleme im technischen (Bugs, Privacy Issues) und im organisatorischen (Mitarbeiter in Stalking-Gruppen, Nazi-Einladungen, Praktikanten auf Luftmatrazen etc) Bereich ihre Wurzeln tief in der Unternehmenskultur haben. Die schlanken Strukturen und das “einfach mal machen”, die man beim StudiVZ als kreatives Chaos zu kultivieren versucht, führen scheinbar zu Problemen, die bei einem klassischen Projektmanagement so wohl nicht auftreten würden.
Das kann man nicht einfach nachbessern, das ist ein strukturelles Problem und permanentes Pulverfass.

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