Wie das ZDF Spaß am Polemisieren findet

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen steigt journalistisch weiter ab. Der Polemik-Fromm von Frontal21 wettert nun auch in Aspekte gegen Computerspiele. Das freut natürlich einige Politiker. Computerspieler haben keine Lobby und mit Panikmache kann man leicht Wählerstimmen verängstigter und uninformierter Eltern erhaschen.

Die Jungs von d-frag haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ein langer, aber dafür um so lesenswerterer Artikel. Als kleiner Teaser hier eine besonders schöne Stelle:

Interessant ist hierbei, nach welchen Kriterien Prof. Pfeiffer die Spiele bewertet. Gegenüber Aspekte äußerte er sich dazu nicht, wohl aber in seiner Braunschweiger Predigt: «Ich empfehle eine einfache Grundregel. Spiele, bei denen das Begehen eines Verbrechens belohnt wird, in denen es also Punkte dafür gibt, dass man raubt, erpresst, vergewaltigt oder tötet, dürfen nicht durch Werbung angepriesen oder offen im Handel angeboten werden.«

[…]

Um sich der Wirkung auf das Publikum ganz sicher zu sein, flechte man das Wort »vergewaltigt« irgendwo ein. Denn im Gegensatz zu den anderen Beispielen, bei denen der Zweck im Rahmen einer Roman-, Film- oder Spielehandlung schon mal die Mittel heiligt, schließlich hat selbst Robin Hood die Reichen beraubt, um den Armen zu geben, schließlich hat James Bond die Welt mehr als einmal gerettet, indem er den Erzbösewicht tötete, sind Vergewaltigungen durch und durch verabscheuungswürdig. Niemand will einen Vergewaltiger spielen. Und deshalb gibt es, soweit mir bekannt ist, auch keine Spiele, in denen man das könnte, obwohl Prof. Pfeiffer durch seinen Satzbau hier geschickt einen ganz anderen Eindruck erweckt. Auf diese Weise hat er schnell jene treusorgenden Mütter und Väter hinter sich, die vor ihrem geistigen Auge sofort den zwölfjährigen Sprössling aus der Schule kommen, in seinem Kinderzimmer verschwinden und mit der PS2 Frauen schänden sehen.

Es wird mal wieder gegen Computerspiele gehetzt und suggeriert, durch ein Verbot dieser (auch für erwachsene Spieler) könne man die Probleme der Kinder und Jugendlichen in den Griff bekommen.

Dass in Deutschland bereits ein Jugendschutz exisitiert, der strenger ist als sonstwo, wird dabei vergessen. Auch, dass Jugendliche problemlos Zugang zu Spielen ohne Altersfreigabe (i.e. Spielen ab 18) haben, weil sie sich diese über das Internet beschaffen können. Eine Tatsache, an der auch Verbote und Hetzjagden nichts ändern.

Und dass es falsch ist, wenn 14-Jährige nach der Schule bis zum Schlafen-Gehen ihre Zeit mit Computerspiel- und Fernsehkonsum verbringen, sollte jedem klar sein. Aber es sollte fraglich sein, ob die Spiele hier die tatsächliche Ursache des Problems sind. Es lebe der Sündenbock:

Wenn man nicht weiß, wovon man redet, rutscht einem auch leicht mal so etwas heraus: [Uwe Schünemann:] »Wir wissen lange schon, dass Killer- und Folterspiele Nachahmungstaten anregen. Man denke nur an Robert Steinhäuser, den Massenmörder von Erfurt, der seine Nachmittage als Ego-Shooter verbrachte, bevor er 16 Menschen an seiner Schule ermordete, so wie er es spielend gelernt hatte.« Sicher. Wenn er es nicht doch in einem Schützenverein gelernt hat. Beispielsweise im Erfurter Polizeisportverein, in dem er die Glock und die Pumpgun ganz legal kaufte, mit denen er später das Massaker verübte. Hat auch hier der Jugendschutz versagt? Diese Frage stellt sich Uwe Schünemann, selbst Mitglied im Sportschützenclub Holzminden, offenbar nicht.

(via Spreeblick)

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