Guns don’t kill people. People kill people.

Es ist zum Heulen. Über Jahrzehnte wird in Deutschland per Papierstimmzettel gewählt. Nach jeder Wahl müssen bundesweit sicher einige Tausend Zwangsarbeiter Wahlhelfer diese Zettel auszählen, damit wir wissen, wer unsere Gemeinden, Städte, Bundesländer oder das ganze Land regieren darf.

Und diese Zettel werden dann auch noch alle aufgehoben, falls irgendein Blödmann daher kommt und meint, da wäre manipuliert worden.

Was das alles für ein Aufwand ist!

Doch dann kam eine niederländische Firma, um uns alle zu retten. Die stellen nämlich Wahlcomputer her. Tastendruck statt Bleistiftkreuz. Und am Ende der Wahl spuckt der Automat selbstständig das amtliche Endergebnis aus.

Total praktisch. Spart Arbeit beim Auszählen und verringert den Archivbedarf. Eigentlich sollten wir der Firma dankbar sein, dass sie uns den unglaublichen Aufwand vereinfacht.

Und die Geräte sind sicher™. Das verspricht uns die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB). Da sitzen nämlich die Experten, die auch Spielautomaten untersuchen und sich auch eines dieser Wahlgeräte mal angesehen haben. Die Nedap-Wahlgeräte spucken nach der Wahl eine Prüfsumme aus, die auch auf dem Gerät aufgedruckt ist. Na, und wenn die übereinstimmen, dann kann da ja gar nichts manipuliert worden sein.

Und jetzt kommen so ein paar innovations- und technikfeindliche paranoide Spinner und ein chaotischer Hackerverein daher und behaupten, die Geräte erfolgreich innerhalb von fünf Minuten manipuliert zu haben, so dass beliebige Ergebnisse ausgespuckt werden. Dafür müsse man nur ein paar Schrauben lösen und einen gesteckten Chip austauschen. Eine sichere Verwahrung der Geräte zwischen den Wahlen gebe es nicht, so dass eine Manipulation leicht und ohne besondere technische Kentnisse stattfinden könne. Für Wähler oder Wahlvorstand erkennbar sei das dann nicht. Und jetzt sollen die Geräte deshalb verboten werden.

Und dann gibt es noch ein paar Trottel hier und hier und hier, die meinen, dass die Profis bei der PTB nicht so wirklich gründlich untersucht hätten und die Prüfsummenausgabe trivial manipulierbar sei, indem einfach eine manipulierte Gerätesoftware die richtige Prüfsumme vorlüge.

Blöde Quertreiber. Naja, immerhin können die Wahlcomputer jetzt Schach spielen. Gut, die Geräte für die Lottoziehung werden besser gegen Manipulationen gesichert und untersucht.

Aber mal ernsthaft, wir sind doch hier in Deutschland. In einem Rechtsstaat. Hier sind wir doch alle lieb. Wer sollte denn hier Wahlen manipulieren wollen? Sowas passiert bei uns doch höchstens in Dachau. Dachau, wo liegt das eigentlich?

Die niederländische Initiative, die den Geräten Schach beibrachte, heißt auf deutsch übrigens “Wir vertrauen Wahlcomputern nicht”. Blöder Name. Findet auch der Hersteller der Geräte. Der meint nämlich, die sollten sich lieber “Wir vertrauen Menschen nicht” nennen. Schließlich manipulieren ja Menschen die Maschinen. Die Maschinen können ja gar nichts dafür. Und der Hersteller schon gar nicht. Man hat ja Prüfsummen.

2 Antworten zu “Guns don’t kill people. People kill people.”


  1. 1 Meik

    Ich seh´ mich schon in der St. Sebastian Schule in Raesfeld stehen mit Schraubendreher und ner neuen Platine. Bin auch schon gespannt, wie die erzkonservativen CDU Wähler Raesfelds reagieren, wenn eine extreme Partei wie die FDP plötzlich bei uns im Rathaus sitzt. BESTIMMT ÄNDERT SICH DANN ALLES IN RAESFELD….

  1. 1 Öffentliche Petition gegen Wahlcomputer at flokrus Blog
    Pingback am 12. Nov 2006 um 13:41

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