Archiv für Oktober, 2006

Wie das ZDF Spaß am Polemisieren findet

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen steigt journalistisch weiter ab. Der Polemik-Fromm von Frontal21 wettert nun auch in Aspekte gegen Computerspiele. Das freut natürlich einige Politiker. Computerspieler haben keine Lobby und mit Panikmache kann man leicht Wählerstimmen verängstigter und uninformierter Eltern erhaschen.

Die Jungs von d-frag haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ein langer, aber dafür um so lesenswerterer Artikel. Als kleiner Teaser hier eine besonders schöne Stelle:

Interessant ist hierbei, nach welchen Kriterien Prof. Pfeiffer die Spiele bewertet. Gegenüber Aspekte äußerte er sich dazu nicht, wohl aber in seiner Braunschweiger Predigt: «Ich empfehle eine einfache Grundregel. Spiele, bei denen das Begehen eines Verbrechens belohnt wird, in denen es also Punkte dafür gibt, dass man raubt, erpresst, vergewaltigt oder tötet, dürfen nicht durch Werbung angepriesen oder offen im Handel angeboten werden.«

[…]

Um sich der Wirkung auf das Publikum ganz sicher zu sein, flechte man das Wort »vergewaltigt« irgendwo ein. Denn im Gegensatz zu den anderen Beispielen, bei denen der Zweck im Rahmen einer Roman-, Film- oder Spielehandlung schon mal die Mittel heiligt, schließlich hat selbst Robin Hood die Reichen beraubt, um den Armen zu geben, schließlich hat James Bond die Welt mehr als einmal gerettet, indem er den Erzbösewicht tötete, sind Vergewaltigungen durch und durch verabscheuungswürdig. Niemand will einen Vergewaltiger spielen. Und deshalb gibt es, soweit mir bekannt ist, auch keine Spiele, in denen man das könnte, obwohl Prof. Pfeiffer durch seinen Satzbau hier geschickt einen ganz anderen Eindruck erweckt. Auf diese Weise hat er schnell jene treusorgenden Mütter und Väter hinter sich, die vor ihrem geistigen Auge sofort den zwölfjährigen Sprössling aus der Schule kommen, in seinem Kinderzimmer verschwinden und mit der PS2 Frauen schänden sehen.

Es wird mal wieder gegen Computerspiele gehetzt und suggeriert, durch ein Verbot dieser (auch für erwachsene Spieler) könne man die Probleme der Kinder und Jugendlichen in den Griff bekommen.

Dass in Deutschland bereits ein Jugendschutz exisitiert, der strenger ist als sonstwo, wird dabei vergessen. Auch, dass Jugendliche problemlos Zugang zu Spielen ohne Altersfreigabe (i.e. Spielen ab 18) haben, weil sie sich diese über das Internet beschaffen können. Eine Tatsache, an der auch Verbote und Hetzjagden nichts ändern.

Und dass es falsch ist, wenn 14-Jährige nach der Schule bis zum Schlafen-Gehen ihre Zeit mit Computerspiel- und Fernsehkonsum verbringen, sollte jedem klar sein. Aber es sollte fraglich sein, ob die Spiele hier die tatsächliche Ursache des Problems sind. Es lebe der Sündenbock:

Wenn man nicht weiß, wovon man redet, rutscht einem auch leicht mal so etwas heraus: [Uwe Schünemann:] »Wir wissen lange schon, dass Killer- und Folterspiele Nachahmungstaten anregen. Man denke nur an Robert Steinhäuser, den Massenmörder von Erfurt, der seine Nachmittage als Ego-Shooter verbrachte, bevor er 16 Menschen an seiner Schule ermordete, so wie er es spielend gelernt hatte.« Sicher. Wenn er es nicht doch in einem Schützenverein gelernt hat. Beispielsweise im Erfurter Polizeisportverein, in dem er die Glock und die Pumpgun ganz legal kaufte, mit denen er später das Massaker verübte. Hat auch hier der Jugendschutz versagt? Diese Frage stellt sich Uwe Schünemann, selbst Mitglied im Sportschützenclub Holzminden, offenbar nicht.

(via Spreeblick)

AStA fragt, flokru antwortet

Der AStA der Uni Dortmund fragt in seinem neuesten Propagandablatt:

realitätsverlust? - Prof. Dr. Tolan:

Tjaaa. Also. Was hat der Herr Tolan gesagt? Dass Leute, die gleichzeitig an den Olympiastützpunkten trainieren und daneben studieren, Spitzenleistungen bringen. Mehr nicht. Er hat nicht behauptet, dass andere Studenten keine Spitzenleistungen bringen.

Aber um die Frage des AStA aufzugreifen, nein die anderen “Studis” bringen keine Spitzenleistungen. Zumindest die meisten nicht. Wäre auch blöd, denn dann wären diese Spitzenleistungen ja keine Spitzenleistungen mehr. Sondern Durchschnitt.

Das heißt ja nicht, dass andere Studenten faul, dumm oder sonstwas sind. Hat Herr Tolan wohl auch nie behauptet. Aber Spitzenleistungen können immer nur von einer kleinen, elitären Gruppe gebracht werden. Das ist nunmal so.

A propos Spitzenleistungen, lieber AStA: Manchmal müssen es gar keine Spitzenleistungen sein. Manchmal würde es schon reichen, wenn man einfache Kenntnisse eines Fünft- oder Sechstklässlers besäße und die Interpunktionsregeln bei Nebensätzen beherrschte.

Man könnte jetzt an dieser Stelle aufhören. Oder man fragt sich, was den AStA so an dieser Aussage des Profs wurmt. Oder was die Wichtigtuer die engagierten Studentenvertreter gerade an Olympiastützpunktstudenten auszusetzen haben.

Die Leute, die von allen Respekt erwarten, dass sie sich neben dem Studium noch fürs Biertrinken im StuPa und fürs Verschwenden von Sozialbeiträgen behzahlen lassen sich neben einem vielleicht anstrengenden Studium noch für die Belange aller Studenten einsetzen.

Neidisch?

Etwas klarer wird das Ganze durch folgendes:

Interessant war noch, dass die AG gegen Studiengebühren einen Antrag durchgeboxed[sic!] hat, der die Unterstützung von Olympiasportlern wesentlich verringert. Ursprünglich sollten sie für die Dauer der Mitgliedschaft im Kader von Gebühren befreit werden, sie [die AG gegen Studiengebühren, Anm. flokru] wollten aber, dass die [Spitzensportler, Anm. flokru] normal Gebühren zahlen müssen.

Die AG gegen Studiengebühren, stärkste Kraft bei den StuPa-Wahlen, stellt AStA-Sprecher und -Stellvertreter.

Dann versteht man auch den Ursprung des kleinen Artikels im AStA-Blatt. Trotz allem verstehe ich nicht, warum die AG gegen Studiengebühren so gegen Vergünstigungen für Olympiasportler ist. Eine Liste, deren Ziel es ist, Studiengebühren zu verhindern, drängt diese anderen Studenten geradezu auf.

Man könnte meinen, Studenten in Olympiastützpunkten würden durch den Sport viel Geld verdienen, mit dem man Studiengebühren locker bezahlen kann. Das mag im Fußball noch zutreffen, ist aber in anderen Sportarten wohl alles andere als wahr. Viele Sportler können froh sein, dass sie Ausrüstung und Reisekosten bezahlt bekommen. Andere bekommen vielleicht eine kleine monatliche Aufwandsentschädigung im unteren dreistelligen Eurobereich.

Andererseits ist der Sport das Hobby dieser Leute. Privatsache also. Selber schuld, wenn dadurch das Studium anstrengender wird und länger dauert. Können die ja auch sein lassen. Man kann jetzt über den Sinn oder Unsinn von Spitzensportförderung diskutieren. Oder darüber, ob diese Förderung Geldverschwendung ist und ob Spitzensportler für unsere Gesellschaft und unser Land einen “Nutzen” bringen (wie unwichtig sportliche Erfolge sind, sah man ja während der WM). Muss man aber nicht, das darf jeder gerne so sehen, wie er will.

Dann sollen aber auch Studenten mit AStA-Aufgaben oder Studenten mit Kindern volle Studiengebühren bezahlen. Letztere müssen nämlich gar keine Studiengebühren bezahlen. Das steht im AStA-Blatt genau unter der obigen Meldung.

Wer im AStA arbeitet oder Kinder hat, hat es sicher schwer im Studium. Aber: So what? Dann soll man es halt nicht machen oder keine Schreihälse in die Welt setzen, wenn man ansonsten sein Studium nicht mehr geregelt bekommt. Vielleicht sollte man sich vorher überlegen, welche zeitraubenden “Hobbys” man sich zulegt. Selber Schuld!

Beckmann mal wieder

Gerade bei der Übertragung des Spiels Slowakei gegen Deutschland, das leider von einigen gewaltbereiten Idioten im Stadion überschattet wurde. Kurz nach dem Abpfiff sieht man einige scheinbar friedliche Fans. Einer davon schwenkt eine schwarz-weiß-rote Flagge mit Kreuz darauf.

Dazu Beckmann:

Das sind die richtigen deutschen Fans.

Guns don’t kill people. People kill people.

Es ist zum Heulen. Über Jahrzehnte wird in Deutschland per Papierstimmzettel gewählt. Nach jeder Wahl müssen bundesweit sicher einige Tausend Zwangsarbeiter Wahlhelfer diese Zettel auszählen, damit wir wissen, wer unsere Gemeinden, Städte, Bundesländer oder das ganze Land regieren darf.

Und diese Zettel werden dann auch noch alle aufgehoben, falls irgendein Blödmann daher kommt und meint, da wäre manipuliert worden.

Was das alles für ein Aufwand ist!

Doch dann kam eine niederländische Firma, um uns alle zu retten. Die stellen nämlich Wahlcomputer her. Tastendruck statt Bleistiftkreuz. Und am Ende der Wahl spuckt der Automat selbstständig das amtliche Endergebnis aus.

Total praktisch. Spart Arbeit beim Auszählen und verringert den Archivbedarf. Eigentlich sollten wir der Firma dankbar sein, dass sie uns den unglaublichen Aufwand vereinfacht.

Und die Geräte sind sicher™. Das verspricht uns die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB). Da sitzen nämlich die Experten, die auch Spielautomaten untersuchen und sich auch eines dieser Wahlgeräte mal angesehen haben. Die Nedap-Wahlgeräte spucken nach der Wahl eine Prüfsumme aus, die auch auf dem Gerät aufgedruckt ist. Na, und wenn die übereinstimmen, dann kann da ja gar nichts manipuliert worden sein.

Und jetzt kommen so ein paar innovations- und technikfeindliche paranoide Spinner und ein chaotischer Hackerverein daher und behaupten, die Geräte erfolgreich innerhalb von fünf Minuten manipuliert zu haben, so dass beliebige Ergebnisse ausgespuckt werden. Dafür müsse man nur ein paar Schrauben lösen und einen gesteckten Chip austauschen. Eine sichere Verwahrung der Geräte zwischen den Wahlen gebe es nicht, so dass eine Manipulation leicht und ohne besondere technische Kentnisse stattfinden könne. Für Wähler oder Wahlvorstand erkennbar sei das dann nicht. Und jetzt sollen die Geräte deshalb verboten werden.

Und dann gibt es noch ein paar Trottel hier und hier und hier, die meinen, dass die Profis bei der PTB nicht so wirklich gründlich untersucht hätten und die Prüfsummenausgabe trivial manipulierbar sei, indem einfach eine manipulierte Gerätesoftware die richtige Prüfsumme vorlüge.

Blöde Quertreiber. Naja, immerhin können die Wahlcomputer jetzt Schach spielen. Gut, die Geräte für die Lottoziehung werden besser gegen Manipulationen gesichert und untersucht.

Aber mal ernsthaft, wir sind doch hier in Deutschland. In einem Rechtsstaat. Hier sind wir doch alle lieb. Wer sollte denn hier Wahlen manipulieren wollen? Sowas passiert bei uns doch höchstens in Dachau. Dachau, wo liegt das eigentlich?

Die niederländische Initiative, die den Geräten Schach beibrachte, heißt auf deutsch übrigens “Wir vertrauen Wahlcomputern nicht”. Blöder Name. Findet auch der Hersteller der Geräte. Der meint nämlich, die sollten sich lieber “Wir vertrauen Menschen nicht” nennen. Schließlich manipulieren ja Menschen die Maschinen. Die Maschinen können ja gar nichts dafür. Und der Hersteller schon gar nicht. Man hat ja Prüfsummen.