Durch Gammelfleisch zum Alibivegetarier

Gerade im Radio einen Bericht über Gammelfleisch gehört. Dabei wurden auch Aussagen von Bürgern eingespielt, die jetzt aus aktuellem Anlass und Angst vor Gammelfleisch zum Vegetarier geworden sind.

Es ist anzunehmen, dass diese Leute nur Alibivegetarier sind und sie – wenn die mediale Aufregung verebbt ist – wieder munter mit dem Verzehr von totem Tier anfangen. Aber dann frage ich mich, ob es etwas noch Irrationaleres geben könnte.

Das ist ja nicht der erste Gammelfleischskandal. Und es wird garantiert nicht der letzte sein. Und auch die öffentliche Diskussion wird nicht zu einem Umdenken und Abwerfen der Geiz-ist-geil-Mentalität führen. Fleisch wird weiter billig produziert und skrupellose Händler werden wieder Gammelfleisch auf den Markt bringen, wenn dieser Skandal in Vergessenheit geraten ist und Kontrolleure wieder merken, was man sich mit Schmiergeld alles kaufen kann.

Aber nicht momentan. Die Presse ist alamiert und wartet nur auf neue Schreckensmeldungen. Den Kontrolleuren schaut jeder auf die Finger und Politiker bringen große Parolen. Wer momentan Gammelfleisch an den Verbraucher bringen will, muss sehr leichtsinnig sein. Das Risiko, damit aufzufliegen, ist höher denn je.

So gesehen könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben, Fleisch zu essen.

2 Antworten zu “Durch Gammelfleisch zum Alibivegetarier”


  1. 1 Meik

    Fleisch ist sone Sache - die Frage ist: wieviel braucht der Mensch tatsächlich? Wenn ich überlege, dass ich mal kurz meine Eltern besuchen geh´ aufm Samstag Mittag und die knüppeln sich jeder 2 Kotletts rein - das ist die Menge Fleisch, die ich pro Monat esse… wenn jedermann vernünftige Mengen zu sich nehmen würde wären diese titanisch anmutenden Fleischberge zur Versorgung der Bevölkerung vielleicht gar nicht nötig. Zumindest könnte man den Tierbestand drastisch reduzieren und durch den freigewordenen Raum wesentlich “ökologischer”, also tierfreundlicher, halten.

  2. 2 flokru

    Naja, dass in Deutschland viel mehr Fleisch konsumiert wird, als für eine gesunde Ernährung sinnvoll wäre, ist ja schon lange bekannt. Ich esse vielleicht einmal in der Woche richtig Fleisch. Mal häufiger, mal seltener.

    Und die derzeitige Form der “Fleischproduktion” halte ich auch für sehr bedenklich. Sowohl den Tieren als auch den Menschen gegenüber. Von Tierseuchen usw. mal ganz abgesehen. Aber der Konsument will es nunmal so. Und ich denke, dass sich daran in den nächsten Jahren kaum etwas ändern wird.

    Aber es ist in meinen Augen etwas scheinheilig (bzw. sogar unsinnig), jetzt wegen der bösen Gammelfleischmafia gar kein Fleisch mehr zu essen, um danach wieder zuzuschlagen, wenn das Thema in Vergessenheit gerät. Das hat was von irrationaler Panik.

    Wer sich entscheidet, wirklich konsequent vegetarisch zu essen, meinentwegen. Aber dann soll man dabei bleiben. Oder von mir aus nur noch Fleisch im Bioladen kaufen, wo man die Kühe vor dem Schlachten selber gestreichelt hat. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich das vielleicht sogar machen.

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