Archiv für Mai, 2006Seite 2 von 2



Spaß mit dem Vorblitz

Heute habe ich nach langem Hin und Her doch noch eine CD mit Fotos vom letzten Weihnachten erhalten. Auf so gut wie jedem Foto ist genau das passiert, was schon so manchen Verwandten in den Wahnsinn getrieben hat.

Was ist passiert? Den Digitalkameras der betroffenen Hobbyfotografen
reicht es natürlich nicht, bei mangelndem Tageslicht einfach nur einen kurzen Lichtblitz zu zünden.

Nein, es muss gleich ein ganzes Blitzlichtgewitter abgegeben werden. Das nennt der Kamerahersteller dann Vorblitz oder (wenn die Marketingabteilung gut drauf ist) Rote-Augen-Reduktion. Und weil niemand rote Augen auf Fotos haben will, wird das auch gleich nicht abschaltbar integriert.

Und weil meine Augen mit ihrem Schließreflex etwas anders reagieren als die Durchschnittsaugen führt das dazu, dass diese auf Fotos mit so einem Blitz meist mehr oder weniger geschlossen sind.

Bestenfalls sind die Augen dann komplett zu. Schlimmstenfalls sieht es so aus, als wäre man gerade auf einem richtig bösen Drogentrip. Aber wenigstens keine roten Augen.

In diesem Sinne: Es lebe der Fortschritt!

Kamikaze-Protest

In Deutschland ist es üblich, dass man sich in einer Hochschule nur dann einschreiben kann, wenn man gewisse Anforderungen erfüllt. Diese Voraussetzungen nennt man landläufig auch Abitur oder Hochschulreife. Reife. Das ist das, worüber Wikipedia schreibt:

Der Begriff Reife (v. reif, althochdt.: rifi was abgepflückt werden kann) bezeichnet die Erreichung eines vollkommenen Grades einer abgeschlossenen Entwicklung.

Vollkommener Grad. Abgeschlossene Entwicklung. Aha. Also sollte man einem Studenten zutrauen können, dass er soviel geistige Reife hat, dass er weiß, wo Naivität aufhört und totale Dummheit anfängt.

Nicht so bei der Campusgruppe des Attac Dortmund. Deren Aktionen haben mich schon oft den Kopf schütteln lassen. Aber die heutige Aktion hat allem bisherigen Bockmist die Krone aufgesetzt. Zumindest war es anscheinend ein Attac-Mitglied, der diese Aktion gestartet hat.

Auf einer heutigen Studenten”voll”versammlung wurde über Studiengebühren diskutiert. Dass Diskussionen nicht viel bringen, weiß man auch bei Attac. An sich ist es da nur löblich, dass man von den Artikeln 5 und 8 des Grundgesetzes Gebrauch machen will, um der Öffentlichkeit seine ablehnende Haltung diesen Gebühren gegenüber zu dokumentieren.

Aber muss man dabei gleich so dämlich und bescheuert sein, sich im Berufsverkehr auf die B1 (die auf Höhe der Uni gerade aus der A40 zur Bundesstraße wird) zu setzen (siehe hier und hier)?

Die Polizei spricht vom Straftatbestand des “gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr”. Hat sich vielleicht mal einer der Sitzstreikenden Gedanken gemacht, warum darin das Wort “gefährlich” vorkommt?

Wenn man als Protest gegen Studiengebühren sein eigenes Leben in Gefahr bringt, dann finde ich das gründlich hirnverbrannt. Aber was muss in einem vorgehen, dass man dabei schlimme Verkehrsunfälle riskiert und das Leben anderer Menschen in Gefahr bringt?

Und abgesehen von der Gefahr: Was will man damit erreichen? Wo ist da bitte die Relevanz? Normalerweise sollte Sinn einer Demonstration sein, dass man andere Menschen erreicht und von seiner Meinung überzeugt.

Der gestresste Berufsverkehrfahrer auf der B1 wird bestimmt total begeistert gewesen sein. Er wird in Zukunft öfter über Studiengebühren nachdenken. Fragt sich nur, welche Assoziationen er bei zukünftigen Diskussionen über Studiengebühren haben wird.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Aktion! Eigentlich bin ich gegen Studiengebühren, aber solche idiotischen Aktionen machen es schwer, seine Meinung zu vertreten.